Cayman Islands  > Segelreise von Aruba zu den Cayman Inseln <                         30. Okt. 2018


Vorwort: 

Nahtlos führte unsere Reise vom kanadischen Indian Summer in den kanadischen Früh-Winter und das schon Mitte September. Es überraschten uns Schnee und Eis, das volle Winterprogramm. Glücklich besteigen wir am 08. Oktober das Flugzeug an die karibische Sonne, von Calgary nach Bonaire. Die warmen Temperaturen liegen uns halt schon eher. Obwohl schöne Schneelandschaften durchaus auch ihren Reiz haben. Wir tauschen die Wanderschuhe gegen Flip Flop’s. Winterklamotten gegen Sommerkleider. Wollkappen gegen Strohhüte. Was für ein wunderbarer Kontrast. 32 Grad Unterschied von Calgary nach Bonaire. 

Rückblick aus Bonaire

Wir haben eine Einladung für das Geburtstagsfest von Barbara bekommen, der wir sehr gerne gefolgt sind. Das Gästehaus welches sie in der Zwischenzeit gebaut haben ist fertig und wird von Ihren Kindern und dessen Partnern bewohnt. Wir wohnen im Haus von Barbara und Boudewjin mit dem jungen und verspielten Hund Balou und geniessen die Zeit die wir zusammen verbringen dürfen. 

   Frühstückstisch mit den Kindern von Barbara. Das Geburtstagskind Barbara und Boudewjin. 

Platzregen und Mückeninvasion machten uns gar nichts aus, wir genossen einen herrlichen Abend und einen wundervollen 60. Geburtstag von Barbara mit gutem Essen, Cocktails, Musik und Tanz. 

     Viele muntere Gäste und eine riesige Geburtstags-Schwarzwäldertorte. 


Letzte Tage auf Bonaire 

Wie bereits Tomi letzten Januar seinen 60. auf Bonaire im Spice Beach Club gefeiert hat. Ist es diesmal Bernd der ebenfalls 60. geworden ist. 

Segler Freund Bernd (Tisch-Häuptling) feiert mit uns seinen 60. Geburtstag auf Spice Island Beach Club 

                                     Happy Hour im Spice Beach Club, Bonaire mit Barbara und Familie. Semii singt, es ist eine Freude.

Varadero Werft & Marina, Aruba 


Nach zwei Wochen Bonaire sind wir nun wieder in Aruba in der Varadero Werft & Marina. Die SeaBorne ist leider noch nicht im Wasser wie wir vorausbestellt haben. Regenfall verzögerte das Wachsen und Polieren der Aussenseiten der SeaBorne. Nach zwei Tagen wurden sie fertig und wir durften ins Wasser. Wir ankern direkt vor der Werft, falls nach den verschiedenen Revisionen und Services erst getestet werden muss ob die Maschinen auch einwandfrei laufen. In der Marina selbst ist kein einziger Platz mehr frei. Ein Fischer Wettbewerb am kommenden Wochenende machte uns den Strich durch die Rechnung. Aber „no Problem“ wie Richie unser Werftmanager immer so schön sagt, wenn wir was brauchen, sollen wir uns einfach melden. 

Einwassern der SeaBorne 

      



     Immer wieder Eindrücklich wenn schiffe wie Spielzeuge ins Wasser gefahren werden. Diesmal ging es sensationell schnell und schon schwimmt sie wieder unser gutes, altes Mädchen. 

Schiff klar machen! 

Wir freuen uns sehr nach fast 9 Monaten wieder auf unserer SeaBorne zu sein. Ein wirklich schönes Gefühl. Und was noch schöner ist, der Weg ist das Ziel, welches bereits feststeht. Wir segeln zu den Cayman Inseln. Captain Tomi beobachtet die Wetterprognosen zu den Cayman Inseln schon seit einer Weile. Er meint, wenn wir uns sputen können wir in sechs Tagen los segeln. Denn die Wetterprognosen stehen gut. Moderate Winde zwischen 10-20 Knoten und Wellen um die 1 - 1.5 Höhe. Das sollten wir eigentlich nutzen und loslegen. Oktober wäre auch der beste Monat für diese Segelstrecke schreibt Jimmy Cornel in seinem Segelführer. November geht auch noch so. Danach kommen die Passatwinde die meist recht heftig blasen und die während der ganzen Segelsaison anhalten, mit Wellenberge vor denen uns graust. Wir wollen hier weg, nichts wie los. Wir hängen uns in die Wanten und geben Gas. 

Schaffe, schaffe, schaffe…

Das defekte Caribe Dinghy. 

Wir schuften wie die Blöden. Ich mag gar nicht aufzählen, was alles erledigt sein muss wenn man eine 6 bzw. 10 Tägige Überfahrt vor sich hat. Das wichtigste ist ein Schiff wo alles funktioniert, ganz und heil ist. Darunter eines der wichtigsten Dinge ist ein Dinghy. Wir bestellten bei Budget Marine, Aruba vor Monaten ein neues AB-Dinghy was eine Stange Geld kostet. Zu unserer Enttäuschung haben 4 Monate nicht gereicht ein Dinghy von St. Martin (Hauptsitz) nach Aruba zu liefern. Es ging denen geradewegs am A vorbei, kein Geschäftsinteresse, kein Kundenservice, keine Entschuldigung. So ein Saftladen! Wir verlangten unsere Anzahlung zurück und zwar pronto und zogen mit hängenden Köpfen von dannen. So flickte und verklebte Captain Tomi drei Tage lang Gummiteile auf dem Dinghy und immer wieder kam anderswo die Luft raus, es war zum Verrückt werden. Doch Tomi liess nicht locker und reparierte das arme alte Dinghy bis es endlich dicht war. Bravo Tomi für unser Patchwork Dinghy. 

Abreise steht auf der Kippe…! 

Wir liegen hier ruhig und gemütlich vor Anker vor der proppe vollen Varadero Werft & Marina, Aruba 

Am Nachmittag vor unserer Abreise entdeckte Captain Tomi gleich zwei Risse im Hochdruckschlauch des Wassermachers. Seit Stunden will unser Wassertank einfach nicht voll werden. Die Ursache ist nun gefunden. Mit lautem Gefluche und Gestöhne baut der Captain den Übeltäter aus. Schnell an Land ging's in die Werft wo Richie auch schon wartet und sagt „no Problem“, „no Problem“ als Tomi seinen defekten Schlauch präsentiert. Tomi soll kurz vor 17:00h nochmals kommen, Richie schickte sogleich einen Kurier los. Der tägliche Verkehrs-Kollaps um diese Uhrzeit ist das eigentliche Problem in Aruba, nicht etwa ein neuer Hochdruckschlauch, wir wundern uns und lassen uns Überraschen. Wir warten und hoffen. Kurz vor 5 düste Tomi an Land. Kurz danach wedelte er mir schon von Weitem mit einem neuen Schlauch und einem big simile zu. Wow! Wir verlieren die Bodenhaftung, das gibts ja nicht, der neue Schlauch ist innert 2 Stunden für uns besorgt worden. Sogleich, in sage und schreibe 40 Minuten, also in Rekordzeit baute Captain Tomi den neuen Hochdruckschlauch ein und unser Wassermacher schnurrt wieder wie ein Kätzchen. Glanzleistung sage ich und bin so stolz auf meinen Captain. Ich serviere ihm auch gleich ein kühles Bierchen, schliesslich hat er viel Wasser geschwitzt bei der harten Arbeit an der prallen Sonne. Inzwischen ist es Abend geworden und die Abreise Morgens wäre um ein Haar ins Wasser gefallen. Das bedeutet, dass wir ein nächstes Wetterfenster hätten abwarten müssen. 

Letzte Nacht vor der Abreise auf Aruba

Varadero Werft & Marina, Aruba 

Ein Loblied für die Varadero Werft & Marina in Aruba. 

Sehr freundliche Manager vor Ort. Judith, die Office Managerin ist sehr zuvorkommend und hilfsbereit. Empfing uns herzlich mit Bussi auf die Wange und Hug. Richie mit seinem breiten sympathischen Lachen ist der Werft Manager und so richtig auf Zack. „ No Problem, no Problem“ ist sein Spruch. Es wurde auch nie etwas zum Problem. Vier Monate war die SeaBorne im Zollfrei-Lager in Aruba bestens geschützt und bewacht. Im Zollfrei-Lager darf nicht an den Schiffen gearbeitet werden. Weder Aussen noch Innen. Leben an Bord nicht erlaubt. Als wir Bescheid gaben, dass wir demnächst kommen würden, blieb nicht mehr viel Zeit übrig um alles in Stand zu stellen. Die SeaBorne wurde aus dem Zollfrei-Lager genommen und in die Werft verfrachtet. Dann wurden Servicearbeiten erledigt. Das alles zu unserer vollen Zufriedenheit  Das Schiff reinigen und beide Schwimmer mit Wachs aufpolieren wurde sorgfältig von Hand erledigt. Tolle Arbeit, wie wir finden. Die SeaBorne glänzt und strahlt. Die teilweise wüsten Hinterlassenschaften die mit der Poliermaschine in der Curacao Marine verursacht wurden, konnten einwenig ausgebessert und verschönert werden. Curacao Marine erhält im Vergleich hierzu viele Minuspunkte. Als Pierré noch Chef war, waren wir mit dem Einwachsen und polieren sehr zufrieden. Danach leider nicht mehr. Sehr schade! 

Neben dem sehr netten Restaurant in der Marina mit leckerem Essen und die Vermietung von Autos waren wir rundum zufrieden. Nicht zuletzt staunten wir nicht schlecht wie Richie Ruck Zuck die Schiffe aus dem Wasser nimmt und an Land stellt. Mit seinem Riesentraktor holt er die Schiffe im Werftlager und fährt sie bis ins Wasser in einer halbe Stunde. Der Werft-Meister Richie hat’s voll im Griff. Er freut sich über unsere Komplimente und meinte; Ich habe vor jedem Transport die Masse zur Hand, dann geht alles viel schneller. Mit seinem eingespielten Team klappt es besonders schnell, unser 43 feet „ Baby Cat“ wie Richie ihn liebevoll nennt ist also „no Problem, no Problem“! Morgen soll er einen 80 Fuss Cat ans Land ziehen. Das ist wohl eine ganz andere Geschichte. 

Danke an alle die unsere SeaBorne wieder Seetüchtig gemacht haben und für den super tollen Service. 

Tanken, Ausklarieren, Ablegen 

Unattraktive Anlegestelle am Frachthafen von Aruba

Nach 6 Tagen Arbeit am Schiff sind wir nun Startklar. Am 30. Oktober 2018 lichten wir den Anker vor der Varadero Werft und legen los. Wir müssen erst ausklarieren und tanken, dann erst können wir los. Auf dem Weg zum Hafen funken wir auf Radio 16 die Port Control an. Sie weisen uns an, in einer Stunde anzulegen, sie wollen erst das einlaufende Kreuzfahrtschiff abfertigen. Wir fahren zur Renaissance Marina, tanken und verabschieden uns von Hans und dem freundlichen Marinero. Inzwischen ist die Zeit auch schon um und wir können im Frachthafen von Aruba anlegen. Wir bangen um unsere frisch gewachsten und strahlenden Seitenwände der SeaBorne. Die Anlegestelle im Frachthafen ist für grosse Schiffe ausgelegt. Riesige Poller im Abstand von 50 Metern. Wir knüpfen schon mal ein paar Leinen aneinander. Lasso werfen über die grossen Poller, das wird wohl nicht anders gehen. Lastwagenreifen dienen als Fender und versauen die frisch polierten Schiffswände mit schwarzem Gummi den man danach kaum mehr wegkriegt. Uns graust es bereits davor. Wir Fendern ab mit allem was an Bord ist. Ich will sogar ein paar alte Fixleintücher opfern, damit die Bordwand geschützt bleibt. Das Schiff wird hier durch Wind und Welle meist heftig an die Reifen gedrückt, rauf und runter an den Reifen entlang schrammt die Schiffswand. Da hilft abfendern nicht immer. 

   

    

Die Zoll- und Immigration Beamten werden von der Port Control aufgeboten. Sie warten gelangweilt in zwei Fahrzeugen, tun nichts und hängen am Telefon. Keiner bequemt sich auszusteigen oder uns mit an- oder ablegen behilflich zu sein. Man muss selber schauen und herausfinden wer für den Zoll und wer für die Immigration zuständig ist. Es werden uns dann durch das offene Fenster Ausklarierungsformulare ausgehändigt, die Captain Tomi auf unserem Schiff ausfüllt und wieder zurück bringt. Das war’s auch schon. Die Beamten fahren davon. Wir legen ebenfalls ab. 

Das Anlegen an dieser Mauer ist relativ schwierig, wie oben erwähnt. In der Zwischenzeit haben die Aruber eine Bretterwand an die Mauer angebracht. Das soll uns das Anlegen vereinfachen und die Seitenwände werden nicht durch die schwarzen Reifen beschädigt oder eingeschwärzt. Immerhin. 

Auf Wiedersehen Aruba…

Die Grib Files - sind unsere sicheren Vorhersagen für das Wetter, Windgeschwindigkeiten und Wellenhöhe. Meist können wir uns recht gut auf sie verlassen. Man rechne zur Prognose ein paar Knoten Wind dazu und 0.5 höhere Wellen und dann hat man eine relativ genaue Voraussicht. Unsere Vorhersage soll 10-20 Knoten Wind bringen. 1-1.8 Meter hohe Wellen. Schönes Wetter, es könnte hi und da regnen vor allem dann vor Jamaica. Wir werden sehen. 

   

Eindrücke von 800 Seemeilen Segeln auf See. 

1. Tag auf See  

Wir fahren unter Motor an der Küste von Aruba entlang bis zum Westende. Wir setzen das Grosssegel und die Genua ins 1. Reff und haben einen schönen Vorwindkurs ins Blaue. 

Wir gewöhnen uns schnell an die merkwürdigen Geräusche wenn die Wellen ans Schiff knallen. Ich bin so happy, dass es mir nicht schlecht wird. Tomi hat wie immer keine Probleme mit der Seekrankheit. Der Appetit ist auch noch da und die Müdigkeit hält sich in Grenzen. Wir beschliessen unsere Nachtwachen aufzuteilen. Nicht im 3 Stunden- wie üblich, sondern im 5 Stunden Rhythmus. Wir brauchen jeweils eine Weile bis man bei den Wellen und Geräuschen einschlafen kann. Wir schlafen besser und länger mit dem 5 Stunden Rhythmus. Man ist ausgeruhter, mal sehen. 

    

Die Nacht ist klar. Ich wache von 20:00h bis 01:00h. Der Sternenhimmel ist wunderschön. Die Milchstrasse so hell, dass sie mir viel Licht spendet in der finsteren Nacht. Ein heller Lichtstreifen am Horizont hinter uns, es ist das letzte Licht von Aruba und es wird immer kleiner und kleiner bis wir bald nichts mehr sehen. Die ersten Sternschnuppen fallen vom Himmel. Der Halbmond erhebt sich schnell am Horizont zur Geisterstunde um Punkt 24:00h. Sein Licht wirft einen goldenen Streifen auf das schwarze Wasser, ein schöner Kontrast in der Dunkelheit. Drei Tanker fahren in der Nacht weit entfernt an uns vorbei. Wir sehen nur 2 kleine gelbe Lichter in der Ferne leuchten. Tomi schiebt die 2. Hälfte der Nacht Wache. Wir rauschen mit bis zu 10 Kts über das Wasser, schneller als errechnet. Wind und Welle gemäss Grib Files stimmen aber nicht schlecht. 

   

2. Tag auf See / Wir steuern Negril an, Westküste Jamaica 605 Seemeilen

Das unbequeme Segeln über Tage ist nicht unser Ding, das merken wir sehr schnell. Es ist meist langweilige, man ist müde, und kann nicht viel tun, ausser lesen, schlafen, kochen, essen. Oder stundenlang aufs Wasser zu schauen wo nichts ist ausser Wasser bis hin zum Horizont und das in alle vier Himmelsrichtungen. Aber es hat auch etwas beruhigendes. Gedanken kommen und gehen. Wir lassen uns treiben. Wie eine kleine Nussschale im Meer fühlt man sich, winzig und klein von den Wellen voran geschubst. Kein Radio, kein Funkkontakt, kein Telefon, kein Internet. Keine Verbindung zur Zivilisation. Das ist heutzutage ein Privileg, oder ist es ein bisschen Angst die einem beschleicht, mit der Aussenwelt nicht mehr verbunden zu sein? Es hat auf jeden Fall etwas, was im tiefsten Inneren in Bewegung bleibt. Ungewissheit der Dinge die unvorhersehbar sind und eintreffen könnten. Vertrauen in Material und Mannschaft. Respekt vor den Kräften der Natur. Respekt vor dem eigenen Schicksal. Gedanken kommen und gehen, es ist alles im Fluss. 


Die Nacht ist ruhig, kein einziger Tanker weit und breit, wir sind das einzige Schiff auf dem weiten Ozean. Die Sterne leuchten nicht mehr so hell, es ziehen immer dickere Wolken vorbei die das bisschen Licht am Himmel förmlich einsaugen. Auch der Halbmond versteckt sich hinter dicken Wolken. Oben wie unten nur Schwärze zu sehen, dazwischen der Horizont gerade noch knapp auszumachen. Ich mag sie nicht, die schwarzen Nächte, sie haben etwas unheimliches und gefährliches an sich. Ich verlasse mich auf die Navigation, die Geräusche um mich herum. Geplätscher, rauschen der Wellen, knallen und rumpeln wenn die Wellen quer schlagen und die Schiffswände traktieren. Schaukeln, schaukeln, schaukeln. Halte Ausschau auf mögliche Gewitterzellen, den korrekten Kurs und prüfe alle 15 Minuten die Instrumente, ein Blick auf das AIS um andere Schiffe auszumachen. 


3. Tag auf See 

Endlich ist wieder Tag und die freundliche Sonne zeigt sich. Die Wellen werden Teilweise über 3 - 5 Meter hoch und schieben uns viel zu schnell vorwärts. Wellen wie Berge erheben sich und drohen uns von Achtern ins Cockpit zu donnern, doch das passiert nicht. Wir laufen den Wellen davon, sie schieben uns vor sich her. Die Genua ist gerefft, es schaut noch ein kleiner Zipfel Tuch heraus, den Rest macht das gefierte Grossegel. Heute empfinden wir das Segeln als richtig schön. Wir sitzen im Cockpit und haben gerade gefrühstückt. Wind und Wetter stimmen perfekt, wie es besser nicht sein könnte. Wir sind mehr oder weniger ausgeruht und es geht uns gut. Es scheint uns, das der Schlaf- und Wach Rhythmus sich eingependelt hat. Fredy unser Autopilot hält den Kurs. Dann ändert sich die Gemütlichkeit. Manche Wellen schlagen nun doch quer über das Cockpit hinweg und wir werden eingesalzt wie Heringe. Wie schön ist das Segler Leben. 

   

Die Nacht ist unruhig. Es knallen die Wellen seitlich achtern an die Bordwände und es schaukelt heftig. Ich kann nicht schlafen während Tomi Wache hat und bin später auf meiner Wach-Zeit hundemüde. Um 03:30h prüfe ich erneut das AIS und plötzlich wie aus dem Nichts erblicke ich zwei parallel zueinander laufende Frachtschiffe auf Kollisionskurs mit uns. Na bravo! Noch habe ich genügend Zeit mir Gedanken zu machen was ich machen soll. Ich wecke schon mal den Captain. Wir erhalten nun mit Motorenunterstützung den genauen AIS Kurs und die Zeit wann die 260 Meter langen Frachter vor uns sind und in welchem Abstand. Weil wir unter Segel fahren, hätten wir gemäss Seerecht den Vortritt. Kümmert mitten auf dem Ozean aber wirklich niemanden. Den 1. Frachter passieren wir vor seinem Bug, wir haben noch 1000m Sicherheitsabstand. Ich hoffe insgeheim, dass alles klappt! Uff, das wäre geschafft. Nachts auf dem schwarzen Meer sieht das echt gefährlich nahe aus und man kann die Distanz nur schlecht abschätzen. Man sieht die Frachter nicht, nur zwei Lichter das Vorder- und Hinterteil des Frachters anzeigen. Manchmal sieht man auch die Positionslichter grün, rot oder beide. AIS-sei Dank. Ohne diese Angaben wäre man wirklich aufgeschmissen. Die Frachter fahren mit bis zu 20 Kts schnell. Wenn dann einer dieser Riesenkolosse auftaucht, sind wir immer in Alarmbereitschaft. Noch nie haben wir erlebt, dass ein Tanker oder Frachter wegen uns seinen Kurs angepasst hätte. Wahrscheinlich schläft die Crew oder es interessiert sie nicht. Der Aufprall eines Segelschiffes auf einen dieser Riesen, würde die Besatzung wohl nicht einmal merken. Deshalb weichen wir immer aus. Der 2. Frachter schaffen wir nicht vor seinem Bug zu passieren. Das schein etwas kniffliger zu werden. Wir luven an und ändern unseren Kurs parallel zum Frachter in die Richtung wo er herkommt. Er passiert vor uns durch in seiner ganzen Länge und wir können bald wieder unseren alten Kurs setzen und weiter segeln. Ich bin jetzt hellwach, froh, dass Captain Tomi die Situation gerettet hat, war es doch bissi brenzlig für mich. Nicht für den Captain, er hat alles voll im Griff. Meinte nur, gut hast Du mich geweckt. 


4. Tag auf See 

Inzwischen ist die SeaBorne durch die Gischt der Wellen seifig, schmierig und salzig, daran werde ich mich wohl nie gewöhnen. Meine Kochkünste werden auf dieser Überfahrt auch schon mal in Frage gestellt. Irgendwie will mir nichts so richtig leckeres gelingen. Ich zweifle ob ich es vielleicht verlernt habe, oder nicht die richtige Wahl der Speisen für eine Überfahrt gewählt habe. Naja jedenfalls kann es nur noch besser werden. Wir gehen abwechslungsweise schlafen, das Schlafmanko der letzten Tage macht sich langsam bemerkbar. Ich werde „rumpelsurig“ was soviel wie unleidlich heisst. 


Am 4. Abend kommt Jamaika in Sicht! Für die kommende Nacht gehen wir zum 3 Stunden Schlaf/Wach Rhythmus über. Wir kommen an die Südostküste von Jamaika. Die Wellen legen sich gänzlich und der Wind gibt ebenfalls auf. Wir bergen die Segel und starten die Motoren. Mit genügend Abstand zum Land wegen den vielen Fisch-Reusen wählen wir das Tiefe Wasser entlang der Südküste. Wir geben Acht auf Fischerboote und deren Netze. Während unserer Wachen bleiben wir ohne Unterbruch am Steuerstand und prüfen ständig das AIS und halten Ausschau auf Fischerboote. Eine sternenklare Nacht mit dicken Wolken am Horizont. Das Wasser ist pechschwarz und unheimlich. Die dünne Mondsichel erhebt sich erst um 02:00h morgens und bleibt meist hinter den Wolken verborgen. Jamaika bleibt ebenfalls hinter dicken Wolken verborgen, da und dort ein paar Lichter auf der Insel und manchmal sieht man die Konturen der Blue Mountains Bergkette hinter dem Nebel. Ein Paar kleinere Frachtschiffe fahren an uns vorbei, sonst ist weit und breit nichts auf dem Wasser zu sehen. Kein einziges Fischerboot in der Dunkelheit. 


5. Tag auf See 

Am Nachmittag erreichten wir die Westküste Jamaikas. Vor dem langen Sandstrand in Negril lassen wir den Anker ins Wasser fallen und geniessen ein herrliches Bad im tropisch warmen Meer. Wir liegen in der grossen ruhigen Bucht über Nacht und schlafen wie die Murmeltiere im Winterschlaf. 

                 


In der grossen Bucht von Negril vor Anker. Wir hiessen die Quarantäne Flagge und die Gastland Flagge von Jamaika. Wir klarieren jedoch nicht ein für diese eine Nacht. 


Nach 10 Stunden Schlaf, machte Tomi ein Mini- Frühstück und schon geht es um 08:00 weiter zur 2. Etappe, den Cayman Inseln. Der Wind soll komplett abstellen meint die Wetterprognose. Wir stellen uns auf eine mühsame Motoren-Fahrt ein. Doch schon kurz nach der Inselabdeckung Jamaikas kommt wieder erwarten eine schöne Brise auf. Wir setzen sofort Grosssegel und Genua und rauschen mit 14 Kts Wind davon mit einem schönen am Wind Kurs. Immerhin 6 Kts Fahrt macht unsere SeaBorne uns freut’s. Manchmal kommt es eben anders als geplant und wir können eine ruhige Fahrt machen. Bis die Wellen seitlich an die SeaBorne schlagen und uns auf den Wellen hin und her schaukelt, dass einem übel werden könnte, wird es aber zum Glück nicht. Der Z’nacht fällt kulinarisch wegen der Schaukelei auch wieder ins Wasser. Kalte Küche ist angesagt. 


230 Seemeilen sind es noch zu den Cayman Inseln. Oder anders ausgedrückt 3 Tage zwei Nächte. Wir ändern aber kurzfristig unser Ziel und segeln erst mal nach Cayman Brac. Cayman Brac ist die erste Insel der Cayman’s die wir auf unserer Route passieren. Sie liegt 120 Seemeilen vor der Hauptinsel Grand Cayman, gehört aber zur selben Inselgruppe. Für die Strecke nach Cayman Brac brauchen wir noch ca. 1-2 Tage und eine Nacht. Wir haben die Schnauze voll vom Geschaukel, Augen zu und durch nach Cayman Brac.  Uns erst mal von der Seglerei ausruhen, und später weiter nach Grand Cayman segeln. Wir haben ja keine Eile. 


6. Tag auf See / Cayman Brac in Sicht / Motorschaden 

Die letzte Nacht im Dunkel der Nacht hocken wir nochmals im Cockpit und lassen uns durchschaukeln. Wir sind müde und wechseln die Nachtwachen alle drei Stunden. Mit der Genua segeln wir so gut es geht einen am Wind Kurs, doch der Wind stellt nach ein paar Stunden ganz ab, wir motoren. Die Wellen beruhigen sich ebenfalls und es wird schon richtig kuschelig ruhig in meinem Bett.  Mehr oder weniger ausgeruht möchte ich Tomi Morgens um 06:00h bei der Wache ablösen. Doch er überbringt mir die schlechte Nachricht. Der Backbord Motor ist überhitzt und musste abgeschaltet werden. Jetzt kann er ihn nicht mehr starten und wir haben keine Ahnung was die Ursache sein könnte. Die letzten 6 Stunden motoren wir nur noch mit dem Steuerbord Motor. Wieder einmal mehr sind wir froh, zwei Motoren zu haben. Der Wind frischt auf 20 Knoten auf und natürlich genau gegen uns, mit einer kräftigen Gegenströmung. Keine Segelunterstützung möglich. 

Wir rufen Morgens um 09:00h über Funk den Hafen von Cayman Brac an und schildern unser Motoren Problem. Es gibt auf Cayman Brac einen kleinen Frachthafen mit hohem Anleger. Davor soll es eine Boje geben. Wir melden uns für die einzigste Boje vor der Mauer an, die wir anpeilen wollen. Es ist sehr schwierig einen Katamaran mit nur einem Motor zu steuern. Tomi fährt zielgenau auf die Boje zu und ich kann beim 2. Anfahrt Manöver die Leine an der Boje fassen. Wir können festmachen, die Boje ist supergross mit einer dicken Leine daran. Das wäre als Erstes geschafft. 


Einklarieren auf Cayman Brac

Die Beamten (Zoll und Immigration) fordern uns auf mit unseren Dokumenten an Land zu kommen.   Wir pumpen unser Dinghy auf das schon wieder lasch mit wenig Luft, traurig an den Davids hängt. Wir tuckern durchs Wasser an einen kleinen geschützten Dinghy-Steg, wo wir super bequem an Land krabbeln können. Wir sind die einzige Yacht auf Cayman Brac und auch das einzige Dinghy in einem exklusiven Dinghy Doc. Wie cool ist das denn. 


Die freundlichsten Beamten der Karibik 

Die Beamten warten schon auf uns. Sie begrüssen uns sehr herzlich mit Name, Rang und einem Willkommen auf Cayman Brac indem sie uns die Hände schütteln. Wir fühlen uns schon ein grosses Stück besser, nach der tollen Begrüssung. Da ist unser Motoren-Problem gleich nicht mehr so gewaltig gross. Die Formalitäten sind schnell erledigt. Sie nehmen es sehr genau auf der Insel, sind aber sehr freundlich und zuvorkommend. Der Zoll Beamte hilft uns einen Mechaniker zu finden und telefoniert sogleich auf der Insel umher. 30 Tage Aufenthalt bekommen wir, mit der Option eine Verlängerung zu beantragen, was wir dann begründen müssen und der Beamte bestimmt wie lange wir verlängern dürfen. Sollte aber unproblematisch sein, meine der freundliche Beamte. Das Einklarieren kostet nichts. Die Verlängerung pro Person 50.- Cayman Dollar. Wir dürfen so lange an der Hafenboje bleiben, wie wir wollen. Wir dürfen auch die vielen Taucher-Bojen kostenlos benutzen. Alle 24 Stunden sollte man aber die Bojen wechseln da immer wieder Tauchboote festmachen wollen. Lachend sagte er, wir haben mehr Bojen als Tauchboote! So könnte ihr so oft wechseln wie ihr wollt. Ankern im grossen Sandbereich dürfen wir auch, kostenlos. Es ist Lobster und Conch Saison wir dürfen auch fischen, Langusten und Conches fangen so viele wir wollen. 


Die Beamten sind sehr aufgeschlossen und sie ersetzten uns auch gleich das Touristenbüro. Sie erzählen uns geduldig alles was wir wissen wollen und wo wir was finden. Der Mechaniker, ein Supermarkt, eine Autovermietung, einen Tourguides eine Prepay-Telefonkarte usw. usw. Jetzt wissen wir alles und können uns auf Erkundungstour machen. Der Zöllner will sich sämtliche Dokumente kopieren, dazu muss er in sein Büro fahren. Er kommt nach 10 Minuten zurück und händigt uns die Kopien aus. Inzwischen hat er zu unserer Überraschung bereits einen Termin mit Mechaniker Martin abgemacht der um 14:00h am Steg auf uns warten wird. Wir verabschieden uns von den freundlichen Beamten und sind überglücklich das alles wie am Schnürchen klappt. Der erste Eindruck von Cayman Brac und deren Bewohner ist sensationell, wir freuen uns riesig hier zu sein, sind eingeladen und willkommen auf Cayman Brac. Ausgesprochen: Ceymäään Brac!!  😍 


Mechaniker Martin kommt an Bord

Martin wartet pünktlich wie eine Schweizer Uhr, am Steg und ich hole ihn ab. Er montierte seine Chirurgenhandschuhe und steigt in den Motorenraum den Tomi schon vorbereitet hat. Er führt die selben Kontrollarbeiten wie Tomi durch und findet erst nichts. Er sucht weiter und findet ein verschmortes  Zündkabel welches zum Anlasser führt und diesen ausser Funktion setzte. Eine Stunde später funktioniert der Anlasser und der Motor rödelt wie gewohnt vor sich hin. Martin besorgt uns ein neues Kabel und Tomi baut es anderntags ein. Glück im Unglück. Tomi dachte schon an etwas viel schlimmeres. Doch musste nicht sein, das unser Aufenthalt mit Reparaturen drauf geht. Wir sind einmal mehr überglücklich und springen geradewegs ins blaue, glasklare Wasser um den Fischchen ein erstes Hallo zu zu winken. 

    

Das verfranste Übeltäter Kabel ist gefunden. Martin organisiert einen neuen und Captain Tomi montiert ihn perfekt. Die Motoren schnurren wie man es gerne hat. 

Liebe Grüsse aus Cayman Brac. 

Wir segeln weiter nach Little Cayman. 

Die aktuellen Reiseberichte folgen bald auf dieser Seite…

Nadine & Tomas



Die Cayman Islands

 

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Sar fiz© Tomas und Nadine Cervera 2012