Mexiko (4. Beitrag) Die Mayawelten 2.Teil, April 2021


Veröffentlicht am 25. April 2021 von Nadine & Tomas 


Die Mayawelten in Mesoamerika 

Bevor wir Euch weitere Mayastätten zeigen die wir besuchten, möchten ich zum Einstieg dieses Beitrags mit der Religion und Mythologie der Maya beginnen. Diese für uns völlig fremde Glaubensrichtung finden wir persönlich eine der spannendsten Richtungen im Reich der Maya und Azteken. 


   


Die Religon der Maya 

Die Mayareligionen sind dermassen ineinander verschlungen und vielseitig, dass ein Verstehen um das Vermächtnis schwierig ist. Es existierten viele religiöse Traditionen nebeneinander, und jede von ihnen bestand aus einem Geflecht von Gottheiten vielfältigster Bedeutung, die sich verdoppelten oder vervielfachten, ihr Erscheinungsbild änderten oder einander überlagerten. Auch gibt es regionale Unterschiede, die ein einheitliches Bild beinahe unmöglich machen. 

Ein einheitliches Bild mesoamerikanischer Religion findet man hinsichtlich des Kosmos. Die Eingeborenen stellen sich das Universum in Form zweier Pyramiden oder kosmischen Berge vor, die an ihren quadratischen Grundflächen miteinander verbunden sind.  Diese gemeinsame Fläche verkörpert die Erde, die oft in Form eines Alligators dargestellt ist, der bei den Azteken Cipactli und bei den Maya Itzam Cab Ain genannt wurde. Über der Erde erhebt sich der himmlische Berg mit dreizehn Ebenen, Sitz der entsprechenden Gottheiten, die dreizehn Stufen in den Himmel bedeuten. So zählt man auch 13 Stufen bei Pyramiden. Auf den Gipfel dieses Berges thront die höchste Gottheit, eine Art doppelter Schöpfergott, den die Azteken Ometéotl (Gott Zwei) und die Maya Hunab Ku nannten. 

Auf der 13. Stufe im Himmel lebte „Itzamnaj“ (Morgentau des Himmels) er ist die wichtigste Schöpfungsgottheit. Er hat das Wissen über Mathematik und Astronomie in der Mayawelt gelehrt. 

Die himmlische Welt, Quell der Fruchtbarkeit und Spenderin aller Dinge, verband man mit Wärme, Licht, Nüchternheit und dem männlichen Teil des Kosmos. Ihr Gegenstück war die Unterwelt. Was im Christentum die Hölle darstellt, sind es die 9 Stufen hinab in die Unterwelt der Maya. Sie bedeuten Feuchtigkeit, Finsternis und Weiblichkeit und war der Sitz des Gottes des Totenreiches, der bei den Azteken „ Ictlantecuhtli" und bei den Maya "Ah Puch" hiess, sowie des Regengottes „Tláloc" bei den Azteken beziehungsweise „Chaan" bei den Maya. Die himmlischen Gottheiten stets in Form von Vögeln oder gefiederten Wesen, während die Gottheiten der Unterwelt Merkmale eines Jaguars aufwiesen, wie zum Beispiel das gefleckte Fell oder die Reisszähne. 

Der Tod. Die Art des Todes in der Mayawelt bestimmt was aus dem verstorbenen Wesen wird. Wenn eine Frau zum Beispiel im Kindbett stirbt, wird ihre Seele oder Geist jeden Tag im nie endenden Kreislauf die Sonne im Himmel von Osten nach Westen begleiten, bis sie auf der 13. Stufe des Himmels ist, dort wartet sie bis die Sonne wieder kommt und eines Tages durch die Sonne wieder geboren wird. 

Die Verbindung zwischen den drei kosmischen Ebenen stellten fünf grosse Bäume her. Diese Bäume standen im Erdmittelpunkt und an den vier Kardinalpunkten. In ihren Stämmen flossen die kosmischen Kräfte, von deren Wechselspiel das Leben abhing, das ebenfalls nach dem Dualitätsystem aufgebaut war, das sich zum Beispiel in Tag/Nacht, männlich/weiblich, Trockenzeit/Regenzeit ausdrückte. Die Stämme der kosmischen Bäume verkörperten darüber hinaus die Kanäle, durch die die Zeit floss. Die Zeit war ein göttliches Wesen, das auf die Erde herabstieg und sich links herum zwischen den Stämmen der kosmischen Bäume bewegte. Zeit und Raum waren folglich untrennbar mit dem Konzept des Universums verbunden, das jede Manifestation des Göttlichen stützte. 

Gottheiten und kosmische Kräfte bestanden aus einer leichten, mit den Sinnen nicht wahrnehmbaren Substanz. Die weltlichen Dinge hatten neben dieser leichten Substanz auch eine schwere, veränderliche und vergängliche, die entstand, wenn mit der Geburt der Sonne den Geschöpfen ihre Form verliehen wurde. Im Gegensatz zu dieser vergänglichen schweren Substanz war die leichte Substanz für alles Erschaffene, beseelt oder seelenlos, ewig und stellt den göttlichen Teil jedes Menschen, Tieres oder Gegenstandes dar. Dieses Prinzip der „komplexen Göttlichkeit“ hilft, die Gründe für die Vielfalt der mesoamerikanischen Götterwelt zu verstehen, in der sich göttliche Substanz bewegten und in einem unendlichen Netz von Beziehungen verwoben, welches das innerste Wesen des Universums bildete. Das Göttliche manifestierte sich an besonderen Orten, wie Grotten, Quellen, Seen, Bergen und Gestirnen. Es konnte sich aber auch in Lebewesen, wie Menschen, Tieren, und Bäumen, offenbaren. Die monumentalen Zentren der Städte wurden oft als Modelle des Kosmos angelegt und waren besondere Orte der Offenbarungen dank ihres jeweiligen symbolischen Standortes im Mittelpunkt der Welt, durch den die Energie des Göttlichen floss. Die Herrscher, die genau an diesen Orten residierten, konnten sie in sich aufnehmen und dadurch den Fruchtbarkeitszyklus beeinflussen. 

Zu den bedeutendsten Gottheiten Mesoamerika gehörte zweifellos das Paar Sonne und Venus, das sich ständig zwischen Himmel und Unterwelt bewegte  Den Sonnengott nannten die Azteken „Tonatiuh“ die Maya „Kinich Ahau“. Der Maisgott, der oft als junger Mann dargestellt ist, manifestierte sich im Mais. Er wurde bei den Azteken „Cintéotl" genannt, bei den Maya "Yum Kaax“. Der höchste Gott der Maya war „Itzamńa“, der himmlische Drache, Sohn des Hunab Ku und Verkörperung der kosmischen Himmelsmächte. Ein weiterer sehr wichtiger Gott war „K’awil“, auch Solon D’zacab oder Gott K genannt. Er wurde mit Blut und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht, galt als Schutzpatron der königlichen Maya-Dynastien und ist oft auf Königszeptern zu finden. Die Assoziation des Königs mit dem Maisgott, mit dem Paar Sonne und Venus oder mit anderen Sternengottheiten zählt zu den Gemeinsamkeiten in der religiösen Traditionen Mesoamerikas. 

Die Vielschichtigkeit der messamerikanischen Kosmologie entsprach ein komplexes öffentliches und privates Zeremoniell. Die zahllosen Zeremonien richtigen sich nach den rituellen Kalender. Sie wurden mit grossem Prunk zelebriert, Tänze, Musik und Gelage gehörten ebenso dazu wie Weihrauch und Blut. Menschenopfer waren zu allen Zeiten und bei allen Völkern Teil der mesoamerikanischen Kultur. Die Azteken opferten als Ausdruck, Zweck und Höhepunkt ihrer kriegerischen Ideologie ihre Gefangenen. Ein weiteres wichtiges Blutopfer war die Selbstverletzung, bei der man sich mit Agavendornen, Rochenstachel oder Obsidiansplitter Genitalien, Zunge, Ohrläppchen und andere Körperteile durchstach. Auf Malereien und Basreliefs sind Priester und Herrscher zu erkennen, die sich selbst verletzten, um Visionen hervorzurufen und mit der Welt der Götter und Ahnen in Kontakt zu treten, denn auf dieser Kontaktaufnahme basierte ihre Macht. 


Ausgrabungsstätte Uxmal Bedeutet „drei Mal“ 

Uxmal war eine der grössten Mayastätten die in Yucatán je gefunden wurde. Wir sind inzwischen im Bundesstaat Campeche angekommen mit der gleichnamigen Stadt Campeche in der Puuc Region. Puuc bedeutet in in der Mayasprache „Hügel“, die Puuc Region in Campeche ist die einzige Gegend auf der Halbinsel Yucatán die aus lauter Hügeln besteht.  

Die Covid- Sicherheitsmassnahmen waren hier am strengsten von allen Ausgrabungsstätten die wir besucht haben. Alle Teilbereiche waren abgesperrt, man durfte nur von Aussen die Pyramiden bestaunen. Maskentragen bei feuchten 36 Grad immer und überall war Pflicht. Für Fotos posierte eine junge Frau vor einer Pyramide ohne Maske, sie wurde vom Platz verwiesen und zum Ausgang begleitet. 

Das monumentale Zentrum von Uxmal besteht aus vier Hauptanlagen. Das beeindruckendste Bauwerk ist zweifellos die circa vierzig Meter hohe Wahrsagerpyramide mit dem aussergewöhnlichen ovalen Grundriss. Im Osten der Pyramide erhebt sich ein kleines Bauwerk mit einem Portal und einer riesigen Maske. 

Licht und Schatten betonen die Verzierungen im typischen Puuc-Stil am östlichen Gebäude des „Nonnenklosters“ 

Die Wahrsagerpyramide aus einer anderen Perspektive

              Oben und Unten: Mosaikmasken                                   Kopf der gefiederten Schlange mit einem Menschenkopf 

  

Die gefiederte Schlange, der göttlichen Schutzpatron der Herrschaftsfamilien in Yucatán in der postklassischen Zeit, schmückt den Westteil des Nonnenklosters. Sie hat im Maul einen Menschenkopf. Um den Hals trägt sie Jadeperlen. Auf dem Kopf einen Helm. Oberhalb der Schlange sieht man den Schwanz der Klapperschlange, ein Symbol für Fruchtbarkeit und Schöpfung der Maias. 

Beim Blick auf den Südeingang des Nonnenklosters sieht man die charakteristischen, mit Mosaikmasken geschmückten Säulen. 

   Ringsum zieren Schildkröten das „Haus der Schildkröte“ In der Mythologie der Maya stand die Schildkröte traditionell mit den Gottheiten in Verbindung, die das Firmament schützen. 

Das Haus der Tauben in Uxmal verdankt seinen Namen den an Taubenschläge erinnernden durchbrochenen Dachfirsten. 



Das Mesoamerikanische Ballspiel 

Was hat ein Ballspiel in Mesoamerika zu suchen? Spielten die Maya und Azteken etwa Fussball oder Handball? Wir erfuhren was das Ballspiel bedeutete und wie es gespielt wurde. Eine echte Herausforderung für die Spieler meistens mit Todesfolge. Das Ballspiel wurde ab der vorklassischen Zeit in ganz Mesoamerika gespielt und war auch zur Zeit der Spanischen Eroberung noch populär. 

Auf jeder Ausgrabungsstätte kann man die weitläufigen, grossen Ballspielfelder bestaunen, und man fragt sich unweigerlich wie und was und zu welchem Zweck damals gespielt wurde. 

Detaillierte Spielregeln sind leider nicht bekannt, man weiss lediglich, dass die Spieler, geschützt durch einen Ledergürtel die Hüfen schonten, mit Knie- und Handschoner, den schweren Gummiball mit Hüfte und Schultern spielen mussten. Hände, Füsse oder Kopf durften den Ball nicht berühren. 

Dieses Basrelief zeigt das Ballspiel zweier Herrscher 

Sehr erhellend ist im Zusammenhang mit dem symbolischen Wert des Ballspiels das „Popol Vuh“, die Erzählungen der Maya, in der das Spiel zwischen den heldenhaften Zwillingen und den Totengöttern beschrieben wird. Es ist offensichtlich, das Spiel scheint den Kampf zu symbolisieren den Sonne und Venus jede Nacht auf ihrer Reise durch die Unterwelt austragen. 

In verschiedenen Episoden im „Popol Vuh“, in denen es zu Enthauptungen kommt, tritt die Analogie zwischen Spielerkopf und Ball eindeutig zutage. Man findet häufig Abbildungen von Bällen mit Schädeln. Es hält sich hartnäckig die Annahme, dass die Sieger eines solchen Spiels enthauptet wurden, tatsächlich gibt es jedoch dafür keinerlei Belege, und erscheint auch unsinnig. Vorstellbar ist, dass diese Opferspiele eine Art Ritual waren, bei dem zu Beginn schon feststand, wer sterben musste, zum Beispiel wenn Könige gegen besiegte Herrscher spielten. Dann wird auch klar, warum die Spielfelder als direkter Zugang zum Totenreich verstanden wurden, sowohl im symbolischen als auch im wörtlichen Sinn. 

Neben einer rituellen und symbolischen Funkton war das Spiel aber auch einfach ein Wettkampfsport und Freizeitvergnügen, wobei diese Aspekte wahrscheinlich im Lauf der Zeit immer mehr in den Vordergrund traten. 

Das Ballspielfeld in seiner ganzen Grösse von Uxmal. Man stellt sich vor, dass auf dem Rasen sowie dem abgeschrägten hellen Sand-Bereich inklusive Mauer zum Spielfeld gehörte. Im ganzen Bereich rund um das Spielfeld sassen die Zuschauer, alle samt in der prallen Sonne über den ganzen Spielverlauf.

            Der Spielball wurde mit vulkanisiertem Kautschuk hergestellt damit er schön springt, er wiegt      etwa 2 Kg. Eine Nachbildung an einem der vielen Souvenirstände. 

Oben Rechts: An den Mauern des Spielfeldes waren mit Basrelief verzierte Steinringe auf bis zu acht Meter Höhe angebracht. Durch diese Ringe musste der schwere Ball mit Hüfte oder Schulter gespielt werden, was fast unmöglich war. 

Bei dieser Abbildung handelt es sich um eine Nachstellung eines Ballspiels von Mesoamerika im Nordmexiko, das heute in manchen Gegenden noch gespielt wird, aber ohne Todesfolge! 

    Der grösste Ballspielplatz findet man in Chicen Itzá, ein eindrücklich grosses Spielfeld, rechts Oben ist der Steinring auf acht Meter Höhe zu erkennen wo der Ball hindurch gespielt werden musste. 

Der Ring an einer Spielmauer mit Basreliefs verziert. 

Besuch bei einer Mayafamilie 

Bevor wir weiter zur nächsten und letzten Ausgrabungsstätte fahren, machen wir unterwegs Halt bei einer Mayafamilie in einem traditionellen Mayahaus. Kevin kennt die Familie, er ist mit Besuchern immer willkommen. Zurückhaltend aber aufmerksam werden wir von Hernan in sein Haus eingeladen. Er entschuldigt sich, seine Frau ist gerade zum Einkaufen gefahren, und kann uns keine traditionellen Maistortillas backen, was sie immer gerne für ihre Besucher macht. 

Wir dürfen in Hernan’s Schlafzimmer, das nichts ausser ein kleines Opfertischchen, eine Feuerstelle und eine Hängematte beherbergt. 

Hernan ist 84 Jahre alt und sieht ein bisschen wie IT-der Ausserirdische aus. Er spricht ein Maya-Spanisch was für Kevin eine Herausforderung zur Übersetzung war. Wir haben uns aber auch ohne viele Worte gut verstanden. Hernan ist erstaunlich fit im Geist und Körper. Er erklärt uns die Bauweise seines Wohnzimmers. Zeigt uns wie man sich richtig in einer Hängematte rein hängt und bequem und gut darin schläft, so wie er und seine Frau zusammen in einer Hängematte (unten) es sein ganzes Leben taten. Indem er die breiten Enden der Hängematte zusammen knüpft, erhält er eine Hänge-Wiege für Baby's. Am Boden unter der Wiege werden Tücher mit einem Klebstoff aus der Natur gestrichen, damit alle Krabeltiere darauf kleben bleiben und das Baby nicht stören. Er ist stolzer Vater von 13 Kindern, 18 Enkel und 17 Urenkel. 

                  Es gibt ein Haus für die Küche, ein Haus für die Kinder, ein Haus ist ihr Schlafzimmer. Sie leben in der traditionellen Weise wie es die Mayas schon viele Jahrtausende praktizierten. Die aus Holz und Palmen gefertigten Häuser sind im Inneren luftig, kühl und angenehm. Die Dächer sind weit nach unten gezogen, so dass man beim Betreten des Hauses das Haupt neigen muss. Das ist gewollt, denn so bezeugt man dem Haus seinen Respekt. Sonst findet das Leben immer Draussen statt. 

 Hier stehen Hernan und ich vor einem Opfertisch mitten im Garten wo Mangos  Papayas, Limetten, Calabash und viele Gewächse wie Tomaten, Kürbisse, Mais usw. gedeihen. Der Opfertisch hat auch heute noch seine Verwendung. Die Maya opfern dem Regengott „Chaak“ nach der Trockenzeit einen Tisch voller Gaben (ohne Menschenopfer wie das früher der Fall war) Eine rituelle Zeremonie in dem die ganze Mayasippe zusammen kommt und den Regengott für eine fruchtbare Ernte anbetet.

Die Opferung von Speisen an den Regengott „Chaak“ Die Kinder unter dem Tisch symbolisieren die Unterwelt. 

Verarbeitung der Sisal-Agave (K’i in der Mayasprache) 

K'i = Sisal-Agaven 

Hernan zeigt uns auf alte traditionelle Art wie man seit hunderten von Jahren Sisal-Agaven verarbeitet hatte. Sisal-Agaven waren die stärksten Naturfasern überhaupt und wurden meist für die Schifffahrt produziert, Taue, Seile, Kordeln, grobe Garne usw. auch für viele Dinge im Haushalt zu verwenden, für die Herstellung von Hängematten zum Beispiel. 

        Die Sisal-Agave wird auf einen Holzbock gelegt. Durch ein Loch im Holz wird die Agave geschoben, mit einem Pflock im Loch befestigt. Mit einem Holzstück presst Hernan von oben nach unten entlang der Agave bis der ganze Saft ausgepresst war. Zurück bleiben dünne Agavenfasern die zum trocknen beiseite gelegt werden. 

 Zur Verarbeitung wickelt Hernan einen Büschel Sisalfasern um seinen grossen Zeh zur Befestigung, dreht die Faser mit der Hand dreimal Rechts rum und einmal links rum, fertig ist das Sisalseil. 

Hacienda „Yaxcopoil“

Ein sehenswerter Abstecher auf unserem Weg nach Campeche ist die Hazienda „Yaxcopoil“, sie wurde im 17. Jahrhundert gegründet. In der Mayasprache gedeutet Yaxcopoil „Ort der grünen Pappeln“. 

Hier befinden sich Zeugnisse aus den drei grossen Epochen des historischen Yucatán; der vorspanischen Zeit, der kolonialen Phase und dem Boom der Sisalindustrie während des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. 

Angesichts einer Ausdehnung von 11 Tausend Hektar in seiner glanzvollsten Periode wurde Yaxcopoil wegen seiner Grösse und prächtigen Ausstattung als eines der bedeutendsten Güter sowohl im Bereich der Viehzucht wie des Henequén-Anbaus betrachtet. Allerdings hat der ständige politische, soziale und wirtschaftliche Wandel in der Region schließlich zu einer Reduktion der ursprünglichen Fläche der Hacienda auf 3% geführt. 

Aus der prähistorischen Zeit sind in den Wäldern und Buschflächen von Yaxcopoil Maya-Ruinen erhalten, die aus zahlreichen Pyramiden-Strukturen bestehen. Die sechs grössten von ihnen erreichen eine Höhe zwischen 6 und 20 Meter. Ausserdem befinden sich auf einer Fläche von etwa 8 Quadratkilometer ein Ballspielplatz sowie zahlreiche Stelen. 

Eingangsportal der Hacienda Yaxcopoil

Heute dient die Hacienda als Hotel und Museum und ist noch immer im Privatbesitz. Im Museumszimmer sind Tongefässe, Skulpturen und archäologische Relikte aus der klassischen                               Zeit (300-950 n. Chr.) zu besichtigen. 

     Es gab schon damals eine eigene Kirche, einen Swimmingpool, wunderschöne Gärten mit lauschigen Plätzen mit Brunnen und Teichen.  

Die Hacienda ist mit erlesenen Materialien ausgestattet, die Raumhöhe ist über 4 Meter hoch und von allen Seiten offen damit ist das Raumklima immer kühl und angenehm in dieser sehr heissen Gegend, wo 40 Grad keine Seltenheit sind. Übrigens ist das ganze Gebäude quasi unterkellert. Im „Keller“ wird fliessendes Wasser durchgeführt, das durch Luftlöcher kondensiert wird. Dadurch werden die Steinböden gekühlt.

 

Wegen seiner im klassischen, ländlichen Stil gehaltenen Architektur ist Yaxcopoil heute die bekannteste Henequén- Hacienda der Region, zumal ihr Hauptgebäude die Gärten und Corrales als Kulisse verschiedener Filme gedient haben. Wer die Vergangenheit Yucatáns kennenlernen möchte sollte eine Hacienda besichtigen, sie ist ein Teil seiner Geschichte. Leider sind die meisten Haciendas heute weitgehend zerstört. Nur einige wenige Gutsgebäude von der Grösse Yaxcopoil konnten vor dem Verfall bewahrt werden. 

Campeche - bedeutet „Schlange, Zecke

Die einzigartig charmante Stadt Campeche war eine der ersten Stadtgründungen durch die Spanier auf der Halbinsel Yucatán. Der Spanier Francisco Montejo gründete die Stadt, die sich schnell zum wichtigsten Handelszentrum der neuen Welt entwickelte. Heute ist gehört Campeche zum Weltkulturerbe der UNESCO. Zeugnis historisch-  kolonialer Architektur - man fühlt sich in eine andere Zeit zurückversetzt in dieser zauberhaften Stadt, in die man sich sofort verliebt. 

Nach vielen Piraten Angriffen wurde die Stadt zur Festung umgebaut. Tomi steht auf der Festungsmauer die rund um die Stadt bis zum Meer hinunter reicht. 

                               Die Kathedrale von Campeche


Der Hauptplatz von Campeche


Prächtige farbenfrohe Kolonialbauten zieren die Innenstadt von Campeche 


Der etwas marode Charme von Campeche hat es uns angetan.


Liebevolle Details in den Gassen von Campeche 


Und wenn wir schon am Meer wohnen, kommen wir nicht an den köstlichen Meeresfrüchten vorbei die hier angeboten werden. (Tintenfischcarpacho)


Merida die Hauptstadt der Halbinsel Yucatán

Nur wenig Zeit bleibt uns die historische Stadt Merida anzuschauen, die auf dem Weg zu unserer letzten Ausgrabungsstätte liegt. Die weisse Stadt besticht durch sein historisches Zentrum mit einem schönen Hauptplatz dem Plaza, die Kathedrale, das Montejo Haus, den Regierungspalast der Landesregierung und die prachtvolle Strasse „Paseo de Montejo“ lässt den einstigen Reichtum der Stadt erahnen, als Yucatán im Sisalfieber lag und Merida mehr Millionäre aufweisen konnte als Paris oder New York. 

Historische Kirchenfassade in Merida 

Plaza mit der Kathedrale 

Corona-Sitzordnung auf Bänken in der Öffentlichkeit - Abstand halten durch Blumenkübel!

    Kleine Boutiquen, Cafés, Baren und Take Away säumen die Strasse von Merida 


Einkaufsstrasse Paseo de Montejo 


Chichén Itzá, bedeutet "am Brunnen der Itzá"

Wir queren die Halbinsel Yucatán und erreichen eine der bedeutendste Ausgrabungsstätte, Chichén Itzá. Sie ist die letzte Stätte auf unserer Rundreise und wir sind uns jetzt schon sicher, wir werden noch viele andere Ausgrabungsstätten in Mesoamerika besuchen. 

Die Ausgrabungsstätte Chichén Itzá war zu Beginn seiner Geschichte eine mächtige Puuc Stadt, und viele Bauwerke, die noch heute existieren, entstanden in jener Epoche. Die Blütezeit von Chichén Itzá begann um 950, als es die Itzá zur beeindruckendsten Verkörperung von Tollan in ganz Mesoamerika machten. Es wurde ein Zentrum für den Kult des Kukulkan, wie die Bezeichnung der Maya für Quetzalcóatl, die gefiederte Schlange, lautete, der auf vielen Bauwerken erscheint und oft als Herrscher der Stadt genannt wird. 

Sicher ist, das Chichén Itzá die Hauptstadt eines äusserst mächtigen, multi-ethnischen Staatsgebildes wurde, dessen Herrscher Allianzen mit anderen Itzá-Gruppen unterhielten, zum Beispiel in Izamal, Mayapán und vielleicht auch in Edzná. Die Rivalität einiger dieser Städte beendete die Vorherrschaft von Chichén Itzá. Der Überlieferung zufolge raubte der Herrscher von Izamal die Gemahlin des Herrn von Chichén Itzá, und indem so ausgelösten Krieg eroberte und plünderte Hunan Ceel, der Herr von Mayapán mit Hilfe mexikanischen Söldnern die grosse Hauptstadt im Jahr 1221. 

Es ist nicht bekannt, ob diese Erzählung zumindest teilweise der Realität entspricht, aber das Zentrum von Chichén Itzá weist Spuren von Plünderungen auf, die zwischen 1200 und 1250 stattgefunden haben. 

Das Castillo, die grosse Pyramide heute

In der Mitte der Stadt erhebt sich das Castillo, die grosse neunstufige 30 Meter hohe Pyramide. Über der Pyramide thront ein Tempel, dessen Eingang von Säulen in Form der gefiederten Schlange flankiert wird. 

Auch hier darf man nicht mehr auf die Pyramide klettern. Als vor einigen Jahren eine beleibte Amerikanerin abgestürzt und danach Mexiko verklagt hatte, wurden die meisten Pyramiden gesperrt.  

Das Spiel von Licht und Schatten der Pyramide erweckt jeweils zur Tagundnachtgleiche im Frühling und im Herbst den Eindruck, als würden sich die grossen Schlangen an der Pyramide herabwinden. 

Das Lichtspiel zur Tagundnachtgleiche lockt viele Touristen an. Links ist die gefiederte Schlange im Lichtschein der Sonne zu sehen im Jahr 2019.


Die Platform der Venus mit Balustraden und Gesimsen, die von Gefiederten Schlangenköpfen geziert werden, trägt Basrelieftafeln 

Eine Wand mit Schädel von geopferten Menschen.

Das Grab des hohen Priesters ist eine kleine Pyramide über einer natürlichen Höhle. Die Balustraden der Treppe zieren ineinander verschlungene Nebelschlangen und gefiederte Schlangen die zusammen einen Kopf mit aufgerissenem Maul darstellen.  


         Stelen und Basrelief                                        Gefiederter Schlangenkopf 


Eingang zum eindrücklichen Tempel der Krieger. 


Tempel der Krieger. 


Neben dem Tempel der Krieger befindet sich der Hof der Tausend Säulen, die teilweise gedeckte Säulengänge waren. 


Tempel des Jaguars mit einem Thron der einen Jaguar darstellt. 


Der Caracól ist ein Bauwerk aus der Puuc-Zeit, das zu Beginn der postklassischen Zeit umgebaut wurde. Man vermutet, dass der Caracól als astronomisches Observatorium diente. 

Wir sind sehr beeindruckt von dieser grossen und eindrücklichen Puuc Stadt Chicén Itzá mit ihrer ganzen Geschichte. Leider ist die berühmte Stätte auch sehr auf den Tourismus ausgelegt und steht im krassen Gegensatz zu den im Dschungel tief verborgenen und schwer zugänglichen Maya-Anlagen. Dort hört man Vögel in den Bäumen zwitschern. Brüllaffen sieht und hört man ständig. Eine mystische Urwald Symbiose die so wundervoll zu den alten Bauten passt. 

Zum Beispiel wurde die Stille und Idylle der Anlage in Chichén Itzá durch ständiges Klatschen der Besucher gestört. Kevin erklärte uns, dass Klatschen vor den Stufen der Hauptpyramide einen Wiederhall oder Echo erzeugt, dass sich wie ein quäkender Vogel anhört. Die Reiseführer behaupten, dass der heilige Quetzal Vogel den Besuchern antwortet, und sie sich von den Göttern etwas wünschen können usw. was völliger Quatsch und Touristenverarsche ist. Doch die Amis lieben solche Einlagen. 

Tatsächlich ist es nur ein Echo und der Quetzal Vogel in Mexiko eben nur ein Vogel ist. Die langen farbenprächtigen Quetzal-Schwanzfedern zierten damals den Kopfschmuck der Maya Herrscher. Der Quetzal Vogel ist der Nationalvogel von Guatemala nicht von Mexiko. Schade ist auch, dass in und um die ganze Anlage eine Art Bazar aufgebaut ist. Hunderte von Verkaufsständen schlängeln sich entlang den Wegen ohne Unterbruch. Alles gratis, oder nur 1 Dollar tönt es die ganze Zeit. Tiergeräusche wie Jaguarknurren oder der Quetzal Vogel werden von Verkäufern imitert, diese Geräusche hört man ständig durch die Wälder und die Anlage. Es stört die Ruhe und das Andenken dieser Mayaruine erheblich. Und das bei einem Bauwerk das dem UNESCO Weltkulturerbe angehört. Schade! 


Unsere Rundreise nimmt hier sein Ende. Wir fahren zu unserem Ausgangspunkt nach Cancún und mit der Fähre zurück nach Isla Mujeres. Wir verabschieden uns von Kevin, er besteigt den nächsten Flieger nach Mexiko Stadt, und wir kehren auf unsere Seaborne zurück. 

Ueber 3’000  Kilometer Strasse haben wir hinter uns gebracht, vier Bundesstaaten von Mexiko besucht (Yucatán, Chiapas, Quintana Roo, Campeche) und die Grenze nach Guatemala überquert. Eine Fülle von Eindrücken und Erlebnissen in dieser wunderbaren alten Kultur von Mexiko haben wir so hautnah erlebt, dass wir jetzt völlig geschafft sind. Wir müssen nun erst einmal das gehörte und gesehene verarbeiten. Wir verkriechen uns für die nächsten Tage ins Innere der SeaBorne zur Erholung. 

Liebe Grüsse aus Isla Mujeres von Nadine & Tomas 

Wir melden uns bald wieder! 

In der Zwischenzeit gibt es noch viel zu erledigen. Unsere Abreise steht bald bevor, wir müssen den weiten Weg nach Guateala bald antreten, denn die Hurricane Saison rückt langsam näher. 

eSar fiz© Tomas und Nadine Cervera 2012