Martinique                                                                                                                     April 2013                                                                                                                                            


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Von Grenada nach Martinique 

Frühmorgens am 23. April 2013, die Sonne ist noch hinter dem Horizont verborgen, herrscht bereits geschäftiges Treiben auf der SeaBorne! Das Schiff wird "klariert". Alles was bei hohem Wellengang herumfliegen könnte wird festgemacht und sicher verstaut. Die Luken sind geschlossen, die Motoren tuckern bereits im Leerlauf. Das Dingy ist fest gemacht und die Crew ist bereit: Dann heisst es "Leinen los, Grosssegel und Genua setzen". Herrlicher Wind und ein schöner Segeltag steht uns bevor. Die SeaBorne pflügte sich durch Wind und Wellen, den Bug zu unserem Ziel "Martinique"gerichtet. Wir segelten mit Wind aus Nordost. Bis zum Ziel sind es 182 nautischen Meilen, das entspricht einer reinen Segelzeit von 34 Stunden bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 5 Knoten. 

Martinique-Karte

Die Insel Martinique liegt zwischen den Inseln Dominica und St. Lucia.  

Pilotwale vor Saint Lucia

Ich sehe plötzlich Schwanzflossen aus dem Wasser ragen, mehrere gleichzeitig! Ich rufe Tomi zu: Delphine!! Endlich wieder einmal Delphine! Fotokamera und Feldstecher müssen sofort her! Vielleicht sehen sie uns und wollen ein Stück auf unserer Bugwelle mitreiten. Zu unserer Überraschung waren es aber Pilot Wale aus der Familie der Delphine. Es waren bestimmt zwei Dutzend Tiere die gemächlich an der Küste entlang schwammen. Wir nehmen Fahrt weg und nähern uns ganz langsam den Tieren, der Motor ist im Leergang. (Die Segel hatten wir schon vorher geborgen weil bei einer Flaute nichts mehr auszurichten war.) Als wir uns ihnen nähern sind etwa sechs Pilot Wale plötzlich an Ort und Stelle im Wasser treibend vor unserem Bug. Es sah aus, als wollten sie sich austauschen oder eine kleine Rast machen. Offenbar ist dieses Verhalten für Pilot Wale ganz typisch. Wir konnten diese faszinierenden Tiere ganz nahe beobachten. Leider nur für kurze Zeit, dann haben sie kehrt gemacht sind mit gleichmässigen und kräftigen Zügen auf und davon. Wir hörten wie sie die Luft auspusteten und das Wasser hoch spritzten liessen. Einfach genial… man sieht ihnen zu und ist einfach nur gerührt und fasziniert von diesen wunderbaren Meeressäuger!

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Das fotografieren ist ein schwieriges Unterfangen. Zu schnell tauchen sie aus dem Wasser um nach einem Augenblick wieder im Meer zu verschwinden. Hier sieht man die typisch abgerundeten Schwanzflossen. Die Kopfform der Pilotwale ist gross und rundlich, ähnelt einer Melone oder einem Helm. Sie sind grösser als Delphine und fast schwarz. 

Pilot- oder Grindwale bevorzugen das offene Meer und sind nur selten in Küstennähe zu finden. Während der Kurzflossen-Grindwal tropische und subtropische Meere bevorzugt, ist der gewöhnliche Grindwal häufiger in gemäßigten und kühlen Regionen anzutreffen, so auch in europäischen Gewässern.

Grindwale schlafen am Tag und gehen in der Nacht auf Nahrungssuche. Ihre Tauchgänge sind 5 bis 10 Minuten lang, dabei erreichen sie Tiefen von bis zu 600 Metern. Ihre Nahrung setzt sich vorwiegend aus Kopffüsslern zusammen, in geringem Ausmaß erbeuten sie auch Fische. Diese Tiere leben in Gruppen von durchschnittlich 20 Tieren. Eine Schule folgt einem Leittier, daher der Name Pilotwale. Das Sozialverhalten dieser Tiere ist hoch entwickelt.

Martinique

Wir steuern von Saint Lucia kommend die letzten 32 SM direkt auf die Bucht Le Marin zu, die wir Steuerbords liegen lassen und nordwestlich der Küste entlang nach "Grande Anse d'Arlet" segeln. Der Wind hat zum Schluss noch einmal kräftig aufgefrischt, wir segeln zwischen 8-9 Knoten unserem Ziel entgegen.

Geschichte von Martinique 

Martinique ist die grösste und nördlichste Insel der Winward-Islands, sie gehört zu den kleinen Antillen und ist die Hauptinsel der französischen Antillen. Die grosse, gebirgige Insel mit einer Fläche von 1100 Quadratkilometer ist vulkanischen Ursprungs. Die Kariben nannten ihre Insel liebevoll "Madinia" was in ihrer Sprache soviel wie "Blumeninsel" bedeutet. Doch die Einheimischen nennen ihre Insel auch heute noch so. Zwischen 1492 und 1494 soll Kolumbus die Insel entdeckt haben. Die Geschichte beschreibt, dass er am 11. November 1502 am Martinstag die Insel betrat, südlich von St.Pierre. Von diesem Tag an soll auch der Name "Martinique" stammen. Besiedelt wurde die Insel erst 1635 von der Bucht des heutigen St. Pierre aus durch den Korsaren Chevalier Pierre Belain d'Esnambuc und seine verwegene Mannschaft. Systematisch wurde die strategisch wichtige Insel zur zentralen Operationsbasis der französischen Flotten im karibischem Raum ausgebaut. Die Sklavenhaltung wurde 1685 eingeführt und gesetzlich verankert. In den Jahren von 1794 bis 1804  wurde die Insel von Briten und Franzosen in vielen erbitterten Seeschlachten hart umkämpft. Während dieser Zeit war die Insel zeitweilig in britischem Besitz. Um die Angriffe der Franzosen besser abwehren zu können, wurde der 176 m hohe Felsbrocken "Rocher du Diamant" im Süden der Insel mit britischen Offizieren, Mannschaften und Kanonen bestückt, und der Felsen bekam den Status eines Kriegsschiffes, was einmalig in der Geschichte ist. "Diamond Rock im Dienste ihrer Majestät"! Dieser Felsen war für die Franzosen 2 Jahre lang uneinnehmbar. Bis Admiral Villeneuve das Problem mit einem Rumfass auf unkonventionelle Art löste. 1815 wurde die Insel auf dem Wiener Kongress Frankreich zugesprochen. 1848 wurde die Sklaverei abgeschafft. 72 000 Sklaven wurden freie Bürger von Martinique. 

Die Insel 

Ein Drittel der Fläche von Martinique ist von Regenwald bedeckt und nur ein Drittel ist kultiviert. Sanft steigen die Berge im Norden von der steilen Atlantikküste auf zum Gipfel des "Montagne Pelée" dem höchsten Berg und gleichnamigen immer noch aktiven Vulkan mit 1397 m. Das Flachland umschliesst die Bucht Fort-de-France. Fort de Fort-de-France ist der kulturelle und wirtschaftliche Dreh- und Angelpunkt, seit 1848 auch die Hauptstadt von Martinique. Das Landschaftsbild der 80 km langen und ca. 34 km breiten Insel prägen satte Grüntöne die in ihrer Farbenvielfalt einzigartig sind. Eine intakte tropische Vegetation, die von riesigen Farnen, dickem Bambus und einzigartigen, wundervollen Blumen beherrscht wird. 

Kulturelle Vielschichtigkeit und ihre Gegensätze

Rund 412 300 Menschen leben Heute auf Martinique. Die landwirtschaftliche Nutzung der Insel wird immer mehr ins Abseits gedrängt. Bananen tragen trotzdem zu 40% der Exporterlöse bei und sind somit das wichtigste Exportgut. Wichtige Handelsgüter sind neben Bananen Zuckerrohr, Ananas und Rum. Es gibt einige Rum-Destillerien, die sehr sehenswert sind.  

Es wird im grossem Stil auf den boomenden Tourismus gesetzt. 80% der Touristen auf Martinique sind Franzosen, 10% Kariben und 10% wird vom Rest der Welt als Feriendestination ausgesucht. Martinique hat hervorragende Flug-Verbindungen. Das Strassennetz ist hervorragend, und wurde teilweise bis zur vierspurigen Autobahn ausgebaut. Martinique besitzt alle Vorteile eines westeuropäischen Landes und ist auch deswegen ein sehr beliebtes Reiseziel geworden. Die Nähe zu Frankreich und Europa ist all- gegenwärtig. Die faszinierende Bevölkerung und deren Kulturen wirken wie ein Magnet auf die Touristen.                   

Martinique ist ein vollintegrierter Teil des französischen Staates und somit auch Teil der Europäischen Union. Die landesübliche Währung ist demnach der Euro.                                                                                                                                            

Die allgemeine Sprache ist das Martinique-Kreolische. Eine Mischform aus karibischen Dialekten und Französisch. Die Amts- und Handelssprache ist Französisch. Die Bevölkerung besteht zu 80% aus Menschen mit afrikanischer Herkunft. 15% sind Indischer- oder Afro-Indischer Herkunft. 5% sind Europäischer Abstammung. Zu dieser Gruppe gehören die in Martinique geborenen Weissen, die von der kolonialen Oberschicht abstammen und "Béké" genannt werden. Sie lassen sich auf etwa 30 Familien mit 2600 Menschen zurück führen. Alle auf Martinique geborenen Menschen sowohl Weisse wie auch Schwarze werden "Kreolen" genannt.  

Klima

Das Klima ist tropisch und die Regenzeit dauert von Juni bis Oktober. Der Norden ist feucht mit einer üppigen Vegetation. Im Süden ist das Klima trockener, dort befinden sich auch die meisten touristischen Ziele. Die mittleren Lufttemperaturen liegen im Januar und Februar zwischen 21 °C und max. 27 °C, im August und September zwischen 24 °C und max. 30 °C. Die Monate Juni bis November zeichnen sich durch hohe Luftfeuchtigkeit aus. Die Wassertemperatur kann Juli bis Oktober 28 °C überschreiten und liegt auch im Februar nicht unter 26 °C.

Grand Anse d'Arlet 

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Eine malerische kleine Bucht, umsäumt von einem grossen einladenden Sandstrand. Ein kleines aber modernes Fischerdörfchen und ein bevorzugtes Ausflugsziel der Franzosen. Wir machen uns auf den Weg um die Einklarierungsformalitäten zu erledigen. Hier geht alles elektronisch von statten, sagte man uns.  Es soll sich ein Computer im Restaurant le Barteau, direkt am Strand befinden wo man einklarieren kann - das entnehmen wir dem Reiseführer. Doch der nette Besitzer erklärte uns, der Compi sei kaputt wir sollen in die nächste Bucht ca. 20 Minuten zu Fuss gehen, dort hat es einen funktionierenden Computer. Wir nehmen unser Dingy, und besuchen die Bucht "Anse d'Arlet eine Bucht weiter südlich. Schnell, einfach und unbürokratisch, ist das Einklarieren wenn man den Computer Shop dann nach längerem Suchen gefunden hat….! Keine uniformierten Beamten, kein Zoll, keine Kontrolle. Wir mussten nichts zahlen und der freundliche Angestellte im Computer Shop gab uns einen Stempel auf das von uns ausgedruckte Formular. Fertig! 

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Was uns auffällt! In ganz Martinique gibt es keine Boot Boys und keine fliegenden Händler.                                                  Die Einheimischen werden finanziell kräftig von Frankreich unterstützt, offenbar haben sie                                              diese Einnahmequelle nicht nötig.     

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Anse D'Arlet, ein kleines Fischerdorf. Der französische Einfluss ist bereits spürbar.                                                                 Es wirkt gepflegt und modern. Sogar ein funktionierendes Abfall-Trennsystem findet man                                                   auf Martinique. Super! Genügend Abfall- Tonnen und Eimer stehen reichlich bereit.

Die Entsorgung des Bordmüll's ist eine tägliche Herausforderung! Doch was hier bereits                                                                  Standard ist steckt auf den englischen Inseln noch in den Kinderschuhen. Teilweise muss                                                       man regelrecht auf die Suche nach einem Abfalleimer oder einer Entsorgungsstelle gehen.                                               

Wir geniessen ein paar Tage in dieser hübschen Bucht "Grand Anse D'Arlet" Der Liegeplatz                                                     ist ruhig und angenehm, das Wasser sauber und klar. Schildkröten heben ihre süssen Köpfchen                                                   aus dem Wasser um Luft zu atmen. Diese zu beobachten ist immer eine besondere Freude. 

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Der Strand von Anse D'Aret, das Ferienparadies der Franzosen.

Fort de France

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Wir erreichen Fort de France die Hauptstadt Martinique's. Schon von weitem sehen wir Hochhäuser und einen riesigen Bürokomplex der direkt am Wasser aus dem Boden ragt. Kreuzfahrt-Schiffe laden hier ihre Passagiere aus. Grosse Frachter löschen ihre Ladungen und riesige grosse Kranen am Hafen sind auszumachen. Also keine idyllische Bucht sondern Grossstadt- feeling erwartet uns! Aber wir sehen uns auch ganz gerne mal grössere Städte an im Gegensatz zu den meist kleineren Fischerdörfern. Das Wetter ist schlecht, immer wieder Regen! Auch die Prognosen sehen nicht besser aus. Schade für die Bilder. 

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Wir ankern direkt vor der Mauer des "Fort". Hier ist der einzige erlaubte Ankerplatz in ganz Fort de France. Zwar klein aber doch recht angenehm für die Übernachtung. Nach einigen Ankermanövern hält denn auch endlich der Anker und wir können hier beruhigt die nächsten paar Tage verbringen. Viele Fähren kreuzen schon Morgen früh bis spät Abends vor der Bucht und bringen ihre Passagiere in die umliegenden Städte und Dörfer. So wird es doch recht wellig bei diesem Verkehr. 


Die Hauptstadt Fort de France

Fort de France ist eine Stadt mit vielen Vorzügen unter dem Einfluss Frankreichs. Kleine Strässchen und Gässchen schlängeln sich durch die Häuserreihen der Innenstadt. Eine verkehrsfreie Zone (bis auf ein paar öffentliche Plätze) gibt es hier nicht. Autos und Fussgänger drängen sich gleichermassen durch die engen Gassen. Farbenfroh sind Häuser und Geschäfte im karibischen Stil bemalt. Eine grosse und zu allen Seiten offene Markthall schmückt das Zentrum. Viele kleine Läden mit hübschen Schriftzügen an den Fassaden ergeben das typische Stadtbild von Fort de France. Dazwischen Mc Donald's, KFC, einige Warenhäuser, Supermärkte und sogar eine kleine Boutique La Fayette.  Sie alle lassen die Stadt nahezu international wirken. Man setzt auf den Tourismus, das ist spürbar. Eigens für die Besucher der Kreuzfahrtschiffe, die hier meistens nur für eine Nacht fest machen, wurde eine Einkaufsstrasse gebaut mit braunen Holz-Verkaufsständen zu beiden Seiten der Strasse. Möglichst einfach und schnell sollen die Touristen zu ihren Souvenirs aus Martinique kommen. Geht man ins Innere der Stadt, sieht man den Verfall der Häuser der bei manchen unmittelbar bevorsteht. Obwohl Frankreich Martinique finanziell unterstützt, wird nur für die nötigsten Renovationen Geld locker gemacht oder in grössere, neue Objekte investiert. Der Französische life style in manchen Café''s ist ganz typisch. Doch vermissen wir die kleinen Boulevard Cafés wo man bei einem Kaffee  oder einem Gläschen Weisswein verweilen und die flanierenden Touristen oder die Geschäftsleute beobachten kann. Kreolische Süssigkeiten findet man an Strassen-Ständen und die typisch kreolische Mode ist in den Läden überall zu finden. Ein Gemisch aus Europäern, Kariben und Afrikanern prägen das Bild der Menschen.

Die schönsten Bilder von unserem Stadtbummel in Fort de France 

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Haupt Einkaufsstrasse Fort de France.

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Einkaufsstrasse wo sich viele kleine "Lädeli" befinden. Zwischen den farbigen Fassaden sieht                                              man immer wieder renovationsbedürftige Bau-Ruinen. 

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Die "Schölcher Bibliothek" ein sehr kunstvolles Haus zwischen neuzeitlichen Betonblöcken.

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Die alte Kirche, ein schöner Bau mit einem kleinen Park davor. 

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Mitten in der Stadt eine grosse Markthalle, die täglich geöffnet ist.

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Saint-Pierre

Stadtbummel und Grosseinkauf in Fort de France ist erledigt. Wir haben für unsere Bordküche und unsere kulinarischen Gelüste köstliche französischen Spezialitäten gefunden und nach Herzenslust eingekauft. Verschiedene Käsesorten, Salami und tolle Brotsorten und natürlich den Wein nicht zu vergessen.  So werden wir künftig zum Sundowner einen spritzigen Weisswein mit Brot und Käse geniessen.                                                                                                                                                         Wir segeln nun der Küste entlang nach Saint-Pierre. Eine Küstenstadt mit 4425 Einwohnern im Nordwesten. Sie liegt 31 Kilometer nördlich der Inselhauptstadt Fort-de-France. Die ehemals blühende und wohlhabende Ansiedlung war selbst über mehrere Jahrhunderte Hauptstadt und darüber hinaus Kolonisationskeim der ganzen Insel. Sie wurde 1902 durch eine Eruption des sieben Kilometer nordöstlich aufragenden Vulkans "Montagne Pelée" komplett zerstört.

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Aussicht auf den Vulkan "Montagne Pelée" von unserem Ankerplatz. Sanft steiget der Berg zum Gipfel. Majestätisch thront er über Saint Pierre. Meistens hat er einen Wolkenschleier der den Krater vollständig verdeckt. Wir hatten Glück! Bevor wir weiter segelten zeigte er sich in seiner vollen Pracht. 

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Der Vulkanausbruch von 1902

Wir besuchen das kleine Ortsmuseum, eine historische Reise zurück zum verhängnisvollen Tag dem 8. Mai 1902 als der Vulkan "Montagne Pelée" morgens um 07:30h ausbrach. Saint-Pierre wurde von den Kariben und Franzosen "die Perle der West Indies" genannt, aber auch liebevoll "pétité Paris"! Saint-Pierre war die wichtigste Handelsstadt, sowie auch die Hauptstadt von Martinique. Das Museum wurde von einem amerikanischen Vulkanforscher gegründet. Es wurden Bilder ausgestellt wie es vor und nach der Katastrophe ausgesehen hatte. 

Am Tag als der Vulkan "Montagne Pelée ausbrach, zerbarst der Gipfel und stiess eine gewaltige, unvorstellbare Masse von Gestein, Geröll, Lava und eine riesige, giftige und unglaublich heisse Glutwolke aus. Innert wenigen Minuten wurde die bedeutendste Metropole der Karibik unter der gewaltigen Explosion, unter Schutt und Asche begraben. 30'000 Menschen fanden an jenem verhängnisvollen Morgen ihren Tod. Die Bilder der Stadt sahen aus wie nach einem Atomexplosion. Die Stadt wurde komplett ausgelöscht. Da und dort sah man Überreste von verkohltem Gestein wo einmal eine ganze Häuserreihe gestanden hatte. Die Bilder von damals sind verheerend und unvorstellbar, grauenhaft! Durch die heisse Glutwolke wurden die meisten Menschen verbrannt. Im Museum wurden Requisiten die durch die grosse Hitze schmolzen ausgestellt. Gläser und Karaffen, lose Nägel, Schrauben, Münzen und sogar Porzellan die durch die Hitze zu einem einzigen Block schmolzen. Gesteinsbrocken so gross wie Häuser fielen auf Saint-Pierre nieder. Es war nach der Eruption einfach nichts mehr von Saint-Pierre übrig.  "Louis-Auguste Cyparis" hatte als einziger Mensch die Katastrophe überlebt. Der wegen Mordes verurteile Häftling  war in einer unterirdischen Zelle im Ortsgefängnis, und wartete auf seine Hinrichtung als der Vulkan ausbrach. Mit Verbrennungen am Arm hatte er überlebt. Als die Glutwolke und die Flutwelle das Meer erreichte verbrannten zahlreiche Schiffe die im Hafen oder in unmittelbarer Nähe waren und gingen unter. Heute noch können die alten Schiffswracks, die zwischen 5 bis 30 Meter Tiefe in der Bucht liegen, betaucht werden. 

Zwanzig Jahre lang lag die Stadt in Schutt und Asche, bevor man 1923 mit dem Wiederaufbau begann. Sechs Jahre später brach der Vulkan erneut aus, doch die Einwohner von Saint-Pierre konnten rechtzeitig evakuiert werden. Der Schaden hielt sich in Grenzen. Die Stadt hat heute nur noch ein Sechstel der Bevölkerung, die sie vor dem Vulkanausbruch hatte. Sie ist allerdings mittlerweile ein äusserst beliebtes Touristenziel und lebt nahezu ausschließlich von diesem Wirtschaftszweig. Sie ist als „Stadt der Kunst und Geschichte“ klassifiziert. Im kulturell und geschichtlich äusserst spannendes Städtchen, kann man heute noch die alten, schwarz und verkohlten Ruinen und Steinmauern vom Vulkanausbruch sehen. Alt und neu wurde baulich verbunden. Der Unterschied von damals und heute ist nicht unvergleichbar. Die Stadt hat an Wichtigkeit, Grösse und Bedeutung in der einst sehr wohlhabenden und blühenden Metropole durch die Zerstörung sehr wohl eine Menge eingebüsst. Heute ist Saint-Pierre ein kleines historisches Städtchen. Die Katastrophe von damals ist allgegenwärtig. Wir betrachten die Mauern der Ruinen zwischen den neu errichteten Häuser. Es ist die Vergangenheit die Saint-Pierre so sehr prägt aber auch einzigartig und reizvoll macht. 

Bilder die an die Zeit zurück erinnern: 

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Die Uhr der Handelskammer tickt heute wie damals...

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Die Ruinen einer Kapelle. Ein Teil des kunstvoll antiken Mosaikbodens ist heute                                                                  noch sichtbar. 

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Vorne die angeschwärzte Mauer, dahinter ein moderner Glasbau einer Bank.                                                                                         Alt und neu in Perfektion verbunden.

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Allgegenwärtig die Häuserruinen.

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Fort Saint-Pierre mit schöner Aussicht auf die Bucht. Unterhalb der Mauer sieht man die Fort-Ruinen. 

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Heutige Kirche die das schöne Stadtbild prägt. 

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Eines der wiedererrichteten Häuser Saint-Pierre's.                                                                                                           Heute ist hier die Touristen-Information zu finden.                                                             

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Ein äusserst imposanter Bau war das Theater von Saint-Pierre. Hier sieht man den                                                                   Grundrissplan wie es einmal gebaut worden war. 

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Nach dem Vulkanausbruch der verschonte Eingangsbereich in's Theater. 

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Das Theater ist völlig in sich zusammen gefallen. Heute sieht man nur noch die Ruinen.

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In den Gassen alte Häuser. 

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Das originalgetreu wiedererrichtete Gebäude der Handelskammer gehört zu den schönsten                              Architekturbeispielen der Insel. 

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Mitten in der Stadt ein wunderschöner grüner Park mit lauschigen Plätzchen zum Verweilen                                                            und dem Haus des Bischof's, mit Blick auf die Kirche.

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Ein Räupchen…wie schön...

Samstags Markt in Saint-Pierre

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Tomi sieht dem Markttreiben fasziniert zu. 

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Ein frisch gefangener, grosser Tunfisch wartet auf Kundschaft. 

Erntedankfest mit Umzug

Sonntags Spaziergang durch Staint-Pierre auf der Suche nach der Vergangenheit und den Ruinen. 

Wir hören plötzlich laute Musik und sehen zwischen den Gassen hindurch eine Prozession durch die Strassen gehen. Ein Umzug!!  Schon sind wir mitten im Geschehen! Tanzende, im Rhythmus wiegende Menschenmassen wälzen sich durch die Strassen. Tolle Kostüme und Themen zum Erntedankfest. 

Die schönsten Bilder: 

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Diese Kostüme symbolisieren den Langustenfang. 

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Die typische und traditionelle "Creolen-Tracht"

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Diese Tänzerinnen präsentieren die Kokosnuss Ernte. 

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Instrumente aus Bambus.

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Kulturwoche St. Pierre im Mai 2013

Wir erleben ein einmaliges Spektakel! Wir sehen historisch gekleidete Damen und Herren von St. Pierre auf dem Markt. Es wurden Kleider, Kostüme und Roben von damals präsentiert. Mit einheimischer, kreolischer Musik untermalt, eine sehr schöne Präsentation wo man sich in die Vergangenheit zurück versetzt fühlt. Der damalige und heutige Marktplatz  "Place Bertin" war die Bühne, Laufsteg und Schauplatz in einem. Anmutig und stolz präsentierten die Damen ihre traditionellen, farbenfrohen und edlen Stoffe den begeisterten Zuschauern. Für einmal dürfen wir nach herzenslust Menschen fotografieren und fingen dabei die schönsten lachenden Gesichter ein. 

 Bilder aus dem Samstagsmarkt von 1900 in Saint Pierre. 

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Am heutigen Marktplatz "Place Bertin" präsentierten die Damen von St. Pierre, in ihren wunderschönen Sommerkleidern. 

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Speziell schön finde ich das traditionelle kreolische Karomuster. Immer in Kombination mit einer passenden Kopfbedeckung. 

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So hatte sich damals die besseren Leute gekleidet. 

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Bemüht eine unnahbare und gelangweilte Mine zu machen, ihr Partner musste dabei immer lachen… das war köstlich anzusehen...

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Die typische kreolische Damenmode, die heute noch überall an offiziellen Anlässen getragen wird. 

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Auch die keinen Damen dürfen ihre Kleidung präsentieren. 

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Das Programm hält alle paar Stunden über den Tag und den Abend einen Leckerbissen für die Bevölkerung und die Touristen bereit. Kostümierungen von damals, Umzüge, Theater Vorführungen,  und zum Schluss das Sahnehäubchen, ein philharmonisches Konzert mit lokalen Künstlern. Die Bühne war für eimal in den Ruinen des Theaters aufgebaut. Die klassischen Klänge von Mozart gingen bald in kreolische Klassik über. Diese Klänge erinnerten uns an polnische Polka. Eine schöne Abwechslung! 

Einblick zu einem der vielen Umzüge


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Diese Tanzgruppe im Umzug symbolisiert das Volk und die farbenfrohen, und lachenden Menschen von Damals. 

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Hochrangige Politiker mit Ross und Wagen. 

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Sklavenhandel in der Geschichte von Martinique ist heute noch ein Thema. Der Tag der Sklavenbefreiung ist ein offizieller Feier- und Gedenktag am 21. Mai geworden.

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Wir verlassen Saint Pierre, mit vielen schönen und ergreifenden Erinnerungen.

Unser nächstes Ziel ist "Trois Ìlet", wo wir nur für drei Tage bleiben wollen. Wir möchten weiter an die Ostküste segeln, doch das Wetter scheint uns die nächsten Tage nicht gut gesinnt. Wir warten auf ein freundliches Wetterfenster, sonst ist die Ostküste nicht empfehlenswert. 

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Wir lümmeln einen ganzen Tag im Einkaufszentrum "La Galleria" in La Lamentin herum, bis wir fix und fertig sind. 

Es geht weiter in Richtung Süden. Wir machen jedoch nochmals Halt in "Le Marin" das Wetter will einfach nicht besser werden. Wir bleiben in der sehr gut geschützten Bucht vor "Le Marin". Wir haben Glück und finden unter zweitausend anderen Yachten einen schönen und ruhigen Ankerplatz  mit unseren Schweizer Freunden der "SY Tauà". Wir geniessen die Zeit die wir zusammen verbringen dürfen. Gemeinsam wollen wir die Ostküste für ein paar Tage besuchen. Danach trennen sich unsere Wege in verschiedene Richtungen und auf unbestimmte Zeit. 

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Unser Nachbarschiff die "SY Tauà" mit Monika, Peter und Claudia in der Bucht von Le Marin "Cul de Sac Marin"

Sicht von der SeaBorne am Ankerplatz Le Marin. 

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Sicht von der SeaBorne am Ankerplatz Le Marin. Umgeben von Mangroven und klarem sauberem Wasser. Der Grund ist Sand, gespickt mit vielen Untiefen und kleinen Riffen. Was uns aufgefallen ist! In ganz Martinique gibt es keine fliegenden Boots-händler, wie man sie überall auf den englischen Inseln antrifft. 

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Die Marina von Le Marin und die Charterbasen von zahlreichen Anbietern. Die Yachten liegen dicht an dicht. Die Marina scheint bis auf den letzten Platz voll besetzt zu sein. 

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Wir erkunden den riesigen Bereich der Marina mit dem Dingy. Es gibt mehrere Dingy-Anleger in Le Marin. Vom Steg aus findet man in kurzer Gehdistanz alle Läden, Restaurants, Boutiquen, Supermärkte, den Wochenmarkt und für alle Ansprüche gut ausgestattete Yachtzubehör-Läden. An den Strassen gibt es zahlreiche kleine farbige Bretterbuden die allerhand anzubieten haben.

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Dieser hübsche Friedhof mit der Kirche ist gebaut wie ein Mini-Dorf auf einem kleinen Hügel mit Palmen. 

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Die Markthalle ist Samstags geöffnet und bietet viele schöne Gemüse und Früchte für jeden Geschmack an. 

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Gewürze, selbst gemachte Konfi und Rum-Liköre in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen werden feil geboten. Degustieren ist sehr erwünscht. 

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Schön geschmückte Creol-Damen als Souvenire in den typischen Trachten. 

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Conch-Muscheln. Das Fleisch dieser Muscheln heisst Lambi und wird zu köstlichen Spezialitäten verarbeitet. Das Fleisch ist weiss und hat eine feste Konsistenz. Gekocht ist es butterzart und köstlich. Sie sind vergleichbar mit Jakobsmuscheln. Eigentlich sind die Conch-Muscheln geschützt, doch in der ganzen Karibik sind die Conch-Spezialitäten praktisch auf jeder Speisekarte zu finden. Die lachsfarbenen, glänzenden Conch Muscheln sind sehr beliebt als Souvenir und als Dekorationen im Garten oder Zuhause. Die einheimischen Fischer benutzen sie als Blasinstrument. Sie blasen in das Loch der Muschel und erzeugen damit einen lauten langen Ton, den man Meilenweit hört. So künden die Fischer ihren Fang an, den sie verkaufen wollen. Europa und USA haben ein Einfuhrverbot für Conch-Muscheln. 

Wir hoffe, dass Ihr einen schönen Einblick von Martinique gewinnen konntet und Euch die Bilder und Eindrücke gefallen haben. Wir berichten weiter aus Dominica.

Herzliche und karibische Grüsse 

Nadine und Tomi 







r fiz© Tomas und Nadine Cervera 2012