> Silver Bank > Dominikanische Republik                                                                            Februar  2017


Dominikanische Republik, Februar 2017: 

Vor unserer Abreise in Sopper’s Hole BVI’s, haben wir die Segel auf Schäden geprüft und entdeckten einen Riss im Genuasegel. Das mussten wir unbedingt noch vor unserer Abreise flicken, denn in den nächsten Monaten werden die Segel stark strapaziert, und werden sicherlich keinen Segelmacher antreffen.  Wir holten die Genua herunter und ich schnitt ein passendes Stück Segelstoff vom ehemaligen Genuasegel der SY Maselle, welches ich aufgehoben hatte. 

Auf Deck der SeaBorne: mit meiner „Sailrite“ Nähmaschine ging der Segelstoff wie duch Zauberhand under der Nadel durch.

 

Bildschirmfoto-2015-08-25-um-1.14.00-PM

Köstliche Zapote Frucht aus der Dom. Rep. (auch Breiapfel genannt) kann bis zu 3Kg schwer werden. Schmeckt ähnlich wie Papaya, ist süsslich und sehr erfrischend. 


Segelsaison 2017:

2017 soll es nocheinmal zu den Turks & Caicos Inseln gehen. Die grösste Insel der Turks- und Caicos Inseln ist Providenciales die wir letztes Jahr für eine Woche besucht hatten. Die Unterwasserwelt und die anderen 30ig Inselchen haben wir noch nicht besucht. Das wollen wir nun diese Segelsaison tun, und Zeit auf den Turk- & Caicosinseln verbringen. Als besonderes Highlight wollen wir auf dem Weg dorthin, zwischen der Dominikanischen Republik und den Turks- & Caicos Inseln, die Silver Bank besuchen wo jedes Jahr zwischen Februar und April die Buckelwale ihre Jungen bekommen. Es ist Brunft- und Paarungszeit von hunderten Buckelwalen. 


images-3


Silver Bank…

Wir haben lange und ausgedehnt über die Silver Bank recherchiert. Haben viele Stunden im Internet verbracht und nach Möglichkeiten gesucht, dieses Gebiet zu besegeln. Wir haben herausgefunden, wie wie man sich verhält wenn wir im Wasser mit den Buckelwalen sind. Leider haben wir nicht wirklich viel über die Brutstätte der Buckelwale auf der Silver Bank herausgefunden. Das Netz ist gross doch hier scheiden sich die wichtigen Informationen für unsere Expedition von den vielen Urlaubsangeboten rund um die Dominikanische Republik. Wir fragten viele Segler, doch alle umfahren die Silver Banks zu den Turks in die Bahamas. Keiner war jemals zur Silver Bank gesegelt. Es gibt keine verlässlichen Seekarten und keine offizielle Segelroute über dieses Gebiet. 

Naturschutzgebiet für Meeressäuger 

Die Silver Banks sind von der Regierung der Dominikanischen Repuplik als Naturschutzgebiet für Meeressäuger, im speziellen Fall für die Buckelwale, ausgeschrieben. Einer kleinen Zahl kommerziell betriebenen Schiffsbetrieben ist es erlaubt, die Silver Bank’s während der Fortpflanzungszeit der Buckelwale zu befahren. Als einzigartiges Erlebnis ist nicht nur das Wal Schauen im Angebot, sondern auch mit den Buckelwalen Schnorcheln und sie im Wasser zu beobachten. Maximal 20 Passagiere sind an Bord und zahlen viel Geld für eine dieser speziellen Wal-Schwimm-Erlebnisse. Die Schiffe Explorer und Aggressor II starten wöchentlich mit ihren Wal-Expetitionen von der Ocean World Marina, in Puerto Plata Dom. Pep. und von den Turks aus. Eine Woche kostet ein halbes Vermögen! 

Seit 1986 ist dieses Meeresplateau der Silver Banks, welches geographisch zur Dom.Rep. gehört, unter strengen Naturschutz für Meeressäugetiere gestellt. 1996 wurde das erweiterte Gebiet der Silver Banks inklusive der Navidad Bank und der Muchoier Bank ebenfalls unter Naturschutz für Meeressäuger gestellt. 

Wir rüsten uns für die Silver Bank 

Die Entscheidung fiel uns nicht leicht in das Gebiet der Silver Bank zu segeln. Es ist nicht so einfach wie es klingt. Man kann nicht einfach über die Silver Bank segeln und meinen die Buckelwale warten und winken uns mit ihren Flippern zu. „ hallo hier sind wir“! Wir mussten uns gut vorbereiten. Vor zwei Jahren fuhr ein Katamaran auf ein Riff, das war’s dann gewesen. Sie konnten alle geborgen werden. Glück gehabt. 

Letztendlich siegte die Vorstellung mit Buckelwalen zu Schnorcheln und entband uns von aufkommenden Zweifeln und Ängsten. Die Freude eine Expedition mit der SeaBorne und ihrer Crew zu den Silver Banks zu unternehmen überwiegte alle Bedenken. Der Entscheid stand, wir segelten los!  


Silverbanks

Kleine Kartenansicht wo sich die Silver Bank befindet

Geografische Lage der Silver Bank

Die Silver Bank liegt im Atlantischen Ozean zwischen den Inseln Hispaniola (Dom.Rep.) und den Turks- & Caicosinseln. Die Silver Bank erstreckt sich über ein 1’680 Quadratkilometer grosses Meeresplateau aus Karbonat Gestein. Im seichten Wasser liegt das Plateau um die 18 Meter Tiefe unter der Wasseroberfläche. Das macht es so gefährlich. Vor allem im Norden der Silver Bank ragen die Korallenköpfe bei Ebbe aus dem Wasser. An der nördlichen Riffkante der Silver Bank liegt neben vielen anderen Schiffs Wrack das versunkene Wrack des Frachters „Polyxeni“ welches zum grössten Teil aus dem dem Wasser ragt. Mit einer speziellen Bewilligung der Regierung kann das Schiffs Wrack besucht und betreten werden. 

images-1

Das Schiffs Wrack des Frachters „Polyxeni“

Die Silver Bank ist das grösst Plateau neben der westlich gelegenen Mouchoir Bank und der östlichen in der Navidad Passage gelegenen Navidad Bank. Sie sind nicht miteinander verbunden. 

silverbank map

Kartenansicht von der Dom.Rep. zur Silver Bank

                               

Segelroute zur Silver Bank

Unser Weg führte uns schliesslich Mitte Februar 270 Seemeileln von den britischen Jungfrauen Inseln entlang der Nordküste der US-Virgin Islands, den Spanischen Jungfrauen Inseln und weiter westwärts an der Nordküste von Puerto Rico entlang, die wir links liegen liessen und vorbei segelten. Weiter zur zweit grössten Insel der Karibik - Hispaniola - der Dominikanische Republik. Wir segelten in die Marina Bahia Samana, im Nordosten der Dom.Rep. Die Bahia Samana kennen wir bereits vom Vorjahr,  ein Kleinod in der Bucht von Samana mit einem exklusiven Hotel Spa. Sämtliche Leistungen welche die Hotelgäste geniessen gelten auch für Marinagäste. Welch ein Glück! 

Besuch aus der Heimat

Rosita, Tomi’s Schwester mit unserer Freundin Madeleine begleiten uns von Samana zur Silver Bank und weiter zu den Turks- & Caicos Inseln. Sie flogen nach Puerto Plata im Norden der Dom. Rep.     Tomi und ich mieteten uns ein Auto für zwei Tage und holten die beiden Urlauberinnen in Puerto Plata’s Flughafen ab. Wir fuhren die drei Stunden über die holprigen Strassen der Dom. Rep. mit vielen gefährlichen Schlaglöchern zügig in die Marina Bahia Samana. Zwei Tage Erholung und Aklimatisieren nach der langen Reise für die beiden bei warmen Temperaturen und teils heftigen Regengüssen. 

Schiff klar 

Waschtag auf der SeaBorne in der Marina Bahia Samana.

Bevor wir aufbrechen muss noch dies und das erledig werden wie etwa - Einkaufen und Bunkern - Vorkochen und Brot backen - Leuchtraketen und Rettungsinsel erklären, Rettungswesten anpassen - Schiffs- und Sicherheit- Einweisung für die Mädel’s - wo ist was - Verhalten wenn’s brenzlig wird - Jedes Crew Mitglied fasst einen Job - Nachtwachen Einteilung - und vieles mehr. 

Schwertransport auf dem Weg zum Einkaufen in Samana

Kühe mitten auf der Strasse, sie sind sehr verängstigt bei diesem Verkehr. 

Wir legen ab 

Um am Montagabend, 20. Februar um 16:00h, lösten wir die Leinen von der Marina Bahia Samana für die 80 Seemeilen in Richtung Silver Bank. Das Wetter ist gut. Der Wind soll gemäss Gripfiles um die 12 Knoten sein und in den nächsten Tagen tendentiell noch weniger werden. Die Wellenprognose um die 1 Meter Höhe sagte uns der Wetterfrosch voraus, perfekte Bedingungen also für unser Vorhaben. Das Wetter bestimmt immer wo es lang geht. Alles im grünen Bereich. Der Wind drückte uns zwar ungünstig von Norden entgegen, somit war nicht’s mit Segeln, wir mussten Motoren. Wir waren trotzdem guten Mutes und voller innerer Spannung und Erwartungen auf die Silver Banks und die Buckelwale. 

Schon wenige Stunden nach Abfahrt, wurde Madeleine Seekrank und verzichtete auf das Nachtessen. Sie hatte es verpasst, ihre Medis frühzeitig einzunehmen. Unser Kurs war am Anfang sehr angenehm in der grossen Bucht von Samana, kaum eine Welle, da ging es allen noch bestens. Wie angeworften wurde ihr schlecht als die Nordatlantikwellen uns erreichten. Rosita war vorgewarnt und warf sich schnell ihre Medis ein. Ein Glück, sie vertrug sie gut und es ging ihr nach einer Weile wieder besser. Mir ging’s soweit gut, diesmal schlich mich keine Übelkeit an. Skipper Tomi war wie immer voll dabei, er war noch nie Seekrank. Ein gutes Omen wenn der Skipper durchhält. Wir Mädel’s versuchten am Ball zu bleiben und bei diesem Wellengang nicht gänzlich zu versagen. Die Wellen wurden immer höher. Der Wind nahm stetig zu bis wir die Spitze mit 30 Knoten Gegenwind erreichten. Die SeaBorne pflügte sich durch’s Wasser wie auf Schleuderkurs. Bald konnten wir uns nur noch torkelnd fortbewegen und hangelten uns von A nach B durchs Schiff, doch meistens sassen wir nur da und dösten vor uns hin. Madeleine lag wie tot in der Koje und verliess diese nur zum Reihern. Auch Rosita hat sich mal kurz eine Cola durch den Kopf gehen lassen. Das Schlafen in der Kajüte war fast unmöglich. Die Rümpfe wurden von den Wellen von allen Seiten traktiert. Die knallenden Geräusche von den Wellen, die an die Schiffswand polterten und schlugen bescherten uns eine schlaflose Nacht. Wir lösten uns bei den Nachtwachen so gut es ging ab und hofften, dass die Nacht schnell vorüber ging. 

Im Morgengrauen waren wir bereits am südlichen Zipfel der Silver Banks angelangt. Die Crew ist im Cockpit versammelt und es ging uns ausser dem Skipper nicht wirklich gut. Wegen Schlafmanko oder wegen der Seekrankheit. Allgemeines Stimmungstief, Appetitlosigkeit, niemand wollte in die Kombüse um Essen zu kochen, es schaukelte einfach zu fest. Mit dem Klammergriff hangelten wir uns durch das Schiff für die nötigsten Dringlichkeiten. Wir assen hauptsächlich Crackers, Sandwiches, Bananen, Tomi’s Bouillon und Schokoriegel. Die Stimmung war nicht besonders gut, jeder hing in einer Ecke und versuchte mit sich selber klar zu kommen. 


Im laufe des Tages drehte der Wind etwas und kam uns Nordöstlich entgegen, ein bissschen besser als in der vergangenen Nacht. Wir waren uns nach der Morgenbesprechung auch schnell einig, dass wir unseren geplanten Drift-Stop und den Schnorchel-Ausflug zu den Buckelwalen auf den Silver Banks nun doch nicht machen. Das Wetter hielt nicht annähernd das was es versprochen hatte. Die Lust, bei dem Wellengang ins Wasser zu steigen und zu warten, hatte niemand. Wir mussten unsere Buckelwal Expedition abbrechen. Skipper Tomi entschied zum Wohle der kränkliche Crew auf direktem Weg die vor uns liegenden 130 Seemeilen nach Grand Turk weiter zu Motoren. Das hiess, nochmals eineinhalb Tage und eine ungemütliche Nacht durchzuhalten. 

Zwei Bullen die ca. 30x mit den Fluken abwechselnd auf das Wasser schlugen. 

Wir fuhren also über das Südliche Silver Bank Plateau und hielten Ausschau nach den Buckelwalen. Wir wissen nicht wieviele Tiere sich hier tummelten, es müssten hunderte gewesen sein. Wir sahen dutzende Bullen aus dem Wasser springen, riesige Wasserfontänen hinter sich lassend wieder eintauchen. Manche veranstalteten wahre Kunststücke wie etwa Sprünge auf den Rücken. Faszinierend, wenn sich 20 Tonnen Wal aus dem Wasser katapultieren. Andere wiederum schlugen mit ihren Fluken immerzu kräftig auf’s Wasser. Jeder wollte zeigen wer der stärkere war. Manche sahen wir an der Oberfläche beim Luft holen. Sie blasen eine Wasseerfontäne aus, dabei entsteht ein lautes Zisch- und Schnaufgeräusch. 

Ein Bulle beim Eintauchen mit dem unverkennbaren Buckel, woher auch der Name Buckelwal stammt. 

Wir waren hingerissen und überwältigt von diesen wundervollen Tieren. Wir waren den ganzen Tag an Deck und blickten über das Meer, die Kamera im Anschlag, es ist fast unmöglich einen springenden Wal rechtzeitig zu fotografieren, nur einen Augenblick dauert der Sprung. Mütter mit ihren Kälber haben wir leider keine gesehen. Dafür hätten wir, wie es zu Anfang geplant war, einige Tage Zeit benötigt und driftend über die Silverbank gleiten müssen. Glücklich waren wir aber trotzdem, so viele Tiere gesehen zu haben, wenn auch nur von der SeaBorne aus, die Wellen wurden zwar etwas kleiner, waren aber immer noch zu hoch zum Schnorcheln, die See zu unruhig…wir liessen es aus Sicherheitsgründen sein…Das Einsteigen ins rollende Schiff über die Badeleiter wäre auch zu gefährlich gewesen.

DSC01388

Tomi hatte Glück und im rechten Moment den Auslöser der Kamera betätigt, ein tolles Bild einer Wal-Fluke

Wir verliessen gegen Abend die Silver Bank und fuhren in Richtung Muchoir Bank nach Grand Turks weiter. Wind und Seegang hatte sich zum Glück etwas beruhigt, waren aber leider immer noch gegen uns, also die ganze Nacht weiter Motoren. Nach dem Sonnenaufgang endlich Land in Sicht. Am Horizont konnten wir bereits Grand Turks sehen. Kurz vor unserem Ziel kam uns nochmals eine Gruppe Buckelwale schnaufend und pustend entgegen. Welch Freude. 

Wir berichten Euch etwas später von den Turks- & Caicos Inseln wo wir uns erst mal einen ersten Eindruck verschaffen und die Insel besichtigen. 

Herzliche Grüsse Nadine & Tomas 

r fiz© Tomas und Nadine Cervera 2012